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Reflex-Verlag Thema: Wirtschaft

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Business

 

Im Spiel von Angebot und Nachfrage geht es nicht nur um Unternehmertum im positiven Sinne. Hoher Profit und gerechte Entlohnung sowie gesellschaftliche Verantwortung schließen sich dabei nicht aus. Gemeinsam mit Experten analysieren wir die Hintergründe und sagen, wo wir aktiv werden. Im Mittelpunkt steht dabei der Mensch und seine Bedürfnisse.

 

Artikel aus Ausgabe 03/2016

Wege zum Erfolg

Medienpartner: Die Welt

Vielfalt statt Einfalt

Systematisch Fähigkeiten, Geschlechter, Eignung, Nationalitäten und Ausbildungen bewusst zu mischen, ist der Kern der Diversity-Bewegung. In der Praxis bietet die Kopie einer Vielfalt, wie sie nur in der Natur vorkommt, eine neue Blaupause für die Gestaltung von Arbeit.

Diversität wird häufig mit einer Reise verglichen: Organisationen oder einzelne Individuen machen sich auf, ihr Bewusstsein für Vielfalt zu schärfen. Indem deren Bedeutung und Stärken verstanden wird, entsteht die Kompetenz, aus dieser neuen Menge die positiven Effekte für alle Lebensbereiche zu ziehen. Am Arbeitsplatz sind Offenheit, Kreativität, Toleranz, Abwechslung, Verständnis die Begleiter. Die Erweiterung des Horizontes führt zu neuer Weitschöpfung. Dann sind die Reisenden am Ziel. Einmal mehr gelangte der Gedanke aus den USA in die Büros und Fabriken Europas. In Mode gekommen ist der Begriff in den Sechzigerjahren. Bürgerrechtler, Homosexuelle und Frauen protestierten gegen Diskriminierung und forderten mehr Chancengleichheit. Amerikanische Großkonzerne wie IBM, Ford, McDonald´s, P&G oder Hewlett Packard importieren den Diversity-Gedanken in ihre Unternehmen. Inzwischen ist die Methode via Globalisierung und junger Gründer in deutschen Unternehmen angekommen. Es wird gezielt in die Vielfalt der Belegschaft investiert. Alleine 25 der 30-DAX-Konzerne beschäftigen mindestens eine Person, die sich mit dem Vielfaltsmanagement befasst.

Erst ein ganzheitliches Konzept entfaltet die volle Wirkung

Auch wenn viele Maßnahmen rein personalpolitische Relevanz besitzen, ist Diversity ein Querschnittsthema. Es bezieht alle Bereiche der Organisation mit ein. Diversity-Management als Handlungsanweisung ist somit ein ganzheitliches Konzept. Personelle Vielfalt der Belegschaft wirkt auf alle Geschäftsfelder: Absatzmärkte, Kunden, Produkte, Lieferanten, Geschäftspartner. Die Vielfalt der Arbeitenden spiegelt sich wieder in den Variationen ihrer Produkte, in Stilen und Ideen sowie in der Art, Geschäfte zu tätigen und zu gestalten. Wie wichtig Diversity für eine Exportnation wie Deutschland genommen wird, zeigt die Verständigung auf eine Selbstverpflichtung. Die Charta der Vielfalt ist eine Unternehmensinitiative zur Förderung von Vielfalt in Unternehmen und Institutionen. Mit der Initiative wollen Politik und Wirtschaft die Anerkennung, Wertschätzung und Einbeziehung von Vielfalt in der Unternehmenskultur in Deutschland voranbringen. Diversity sei vor allem auch eine Führungsaufgabe. Die Unternehmensberatung Deloitte fand in einer vor einigen Jahren durchgeführten Studie heraus, dass in den USA der Anteil der weißen Bevölkerung inzwischen eine sehr viel geringere Steigerung der Kaufkraft verbuchte (139 Prozent) als der Teil der Bevölkerung mit afrikanischen (187 Prozent), asiatischen (337 Prozent) und südamerikanischen Wurzeln (349 Prozent). Diese Entwicklung dürfte sich mittlerweile weiter verstärkt haben.

Diverstiy -Management ist eine Führungsaufgabe

Berater ziehen daraus den Schluss, dass besonders vor allem in einer globalisierten Welt Unternehmen mit wenig diversifizierten Personal und Management auf allen Ebenen stark diversifizierten Wettbewerbern unterlegen sind. Deloitte interpretiert die Vorteile über alle Stufen der Hierarchie und plädiert für mehr Diversität in den Führungsetagen. In einer empirischen Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) gehen 70 Prozent der Beschäftigten davon aus, das im Jahr 2025 „eine gelebte Work-Life-Balance“ als Status-Symbol gilt. Und genauso, wie Work-Life-Balance kein bloßes Lockmittel für junge Arbeitnehmer mehr sein sollte, muss auch Diversity gelebt werden, statt als Schlagwort nur das Image aufzupolieren. Jeder Mensch bringt ein einzigartiges Set an Ideen und Fähigkeiten mit ins Unternehmen“, sagt Goran Barić, Geschäftsführer der Personalberatung für Führungskräfte PageGroup Deutschland. Umfragen bestätigten: „Wer mit dieser Vielfalt nicht nur umgeht, sondern sie aktiv fördert und nutzt, schafft im Unternehmen bessere Zusammenarbeit in produktiveren Teams. In diesem Umfeld wachsen Leistungsträger und Ideen, die die Zukunft des Unternehmens sichern.“

Von Karl-Heinz Möller

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Artikel aus Ausgabe 07/2015

Standort Kompass

Medienpartner: Handelsblatt

Gutes kommt an

Seien es Aktivitäten in sozialen Einrichtungen, flexible Arbeitszeiten oder energieeffiziente Abläufe in der Produktion – verantwortungsvolles Wirtschaften und nachhaltige Unternehmensführung haben in der Praxis viele Facetten. Wer sich hier engagiert, wird durch Loyalität, Markenbindung und Erfolg belohnt.

Das freiwillige Engagement von Firmen, sich umweltfreundlich und sozial aufzustellen, ist international als Corporate Social Responsibility (CSR) bekannt und bedeutet wörtlich übersetzt die soziale unternehmerische Verantwortung. CSR ist jedoch viel mehr als das: darunter fallen Arbeitsbedingungen genauso wie Umwelt- und Verbraucherschutz oder der Blick auf Kinderarbeit in der Zuliefererkette. Der von der Bundesregierung berufene Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) hat 2014 den Nachhaltigkeitskodex aktualisiert, mit dem Ziel, „den Nachhaltigkeitsgedanken insgesamt voranzubringen und die Nachhaltigkeitsleistungen von Unternehmen transparent und vergleichbar zu machen“, wie es heißt. Nachhaltiges und verantwortungsvolles Wirtschaften sind freiwillig - und lohnen sich. Denn innovative Weiterbildungsmodelle oder flexible Arbeitszeiten, der Schutz von Klima und Ressourcen oder Energieeffizienz bedeuten weit mehr als Imagegewinn oder Bindung der Mitarbeiter: sie rechnen sich auf lange Sicht. Da CSR-Maßnahmen aber freiwillig sind, setzt jedes Unternehmen bei der Umsetzung eigene Schwerpunkte.

CSR im Mittelstand

Gerade für kleine und mittlere Unternehmen sind Gemeinwesen, Aktivitäten in der Region oder soziale Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern häufig selbstverständlich. Allerdings stoßen auch gerade sie oft an ihre Grenzen, weil sie nicht wissen, welche Maßnahmen sie einsetzen können, um beispielsweise die Enegieeffizienz zu steigern oder den Umweltschutz zu verbessern. Häufig haben sie Schwierigkeiten, sich aus eigener Kraft systematisch mit csr zu beschäftigen und die nötigen Schritte zu definieren. Hier bieten unter anderem die Industrie- und Handelskammern oder auch regionale Netzwerke Hilfe. Die Auseinandersetzung mit verantwortungsvoller Unternehmensführung ist nicht nur für die einzelne Firma, sondern für die gesamte Gesellschaft wichtig: Der Mittelstand ist in Deutschland mit 3,6 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen und 15 Millionen Beschäftigten das Rückrat der Wirtschaft. Mehr als 99 Prozent aller Firmen erwirtschaften rund 40 Prozent aller Umsätze – ein enormes Potenzial, das teilweise kaum ausgeschöpft ist. Dabei schafft ökologisch und sozial sinnvolles Wirtschaften einen gemeinsamen Mehrwert sowohl für die Gesellschaft als auch für das Unternehmen – nicht zuletzt, weil Kunden, Mitarbeiter und Geschäftspartner nachhaltige Aktivitäten positiv wahrnehmen und entsprechend agierende Firmen anderen gegenüber bevorzugen.

Stein auf Stein

Die Vorteile sind dabei vielfältig: So wachsen Unternehmen mit ihrer Umgebung besser zusammen, wenn sie mit Organisationen oder Vereinen in ihrem Umfeld zusammenarbeiten oder ehrenamtliches Engagement fördern. Die Außenwahrnehmung verbessert sich, wenn eine Firma Mitarbeiter einstellt, die auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt sind, etwa ältere oder ausländische Menschen oder solche mit einer Behinderung. Gleiches gilt für Innovationen, die der Umwelt zugute kommen oder nachhaltig dem Klimawandel entgegenwirken - ein Unternehmen, das sich auf diese Weise ausrichtet, sichert sich damit seine gesellschaftliche Akzeptanz und wird von anderen als vertrauenswürdig angesehen. Vertrauen wiederum schafft Markenbindung. Wie ein Stein auf dem anderen wirkt sich dies wiederum auf die Firma selbst aus: Motivation und Loyalität der Mitarbeiter steigen, auch für kompetenten Neuzugang wird das Unternehmen attraktiv. Die Sicherheit steigt, denn mit der Reputation, dem Erfolg und Kenntnis des Marktes eröffnen sich neue Perspektiven für Innovationen - diese wiederum sichern die Zukunftsfähigkeit und eine starke Position im Wettbewerb mit der Konkurrenz.

Von Jan Simon