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Reflex-Verlag Thema: Bau und Architektur

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Bau und Architektur

 

Ob urbanes Leben im Quartier oder ökologisch orientierte Planung der eigenen vier Wände, kaum ein Bereich wie dieser greift so unmittelbar in das aktuelle Umfeld von Menschen ein. Wie sieht die Stadt von morgen aus, wie werden wir in 25 Jahren leben? Der Reflex Verlag versucht hier jeweils ein Stück Zukunft zu beschreiben.

 

Artikel aus Ausgabe 05/2015

Bauland Deutschland

Medienpartner: Frankfurter Allgemeine Zeitung

Bau ist wieder schlau

Ob es um die Stadt der Zukunft, Straßen mit eingebauter Intelligenz, Brücken aus Textilstoff, klimaneutrale Gebäude, die Erhaltung von Denkmälern oder um eine neue Lebensqualität in Wohnräumen geht: Bauen ist mehr denn je ein existenzielles Bedürfnis und rückt aktuell in den Fokus.

Bei der Betrachtung des rasanten technischen Fortschritts in den vergangenen 50 Jahren fällt auf, dass im Vergleich zu vielen Branchen, die neue Technologien für enorme Effizienzsteigerungen nutzten, die Kunst des Bauens zurück blieb. Erst in jüngster Zeit rückt diese für alle so elementare Industrie wieder in den Fokus. Verstärkt ist die Rede von innovativen Baustoffen, Digitalisierung von Prozessen, Koordination der Kompetenzen und denkenden Straßen, Brücken und Häuser. Eine Branche wacht auf! In wissenschaftlichen Untersuchungen stellten das amerikanische National Institute of Standards and Technology sitc und andere renommierte Forschungslabore bei Arbeitskoordination und Materialmanagement, -transport und -installation eine Vergeudung und Ineffizienz von 25 bis 50 Prozent fest. In vielen Fällen würden Talente und Fertigkeiten nicht ausgeschöpft, es gab vermeidbare Unfälle und die Produktivität blieb niedrig.

Dieser Zyklus sei beendet, behaupten Experten. Unternehmensberater von PriceWaterhouseCoopers PwC sagen auf Grund von Innovationen und steigender Nachfrage enorme Fortschritte und Wachstumsprognosen voraus. Bis Ende des Jahrzehnts werde die Baubranche mehr als 13 Prozent der Weltwirtschaft ausmachen, heißt es in einer Studie. In Deutschland liegt der Anteil bei 9,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (2014). Die Zeit sei reif für Veränderung, ist auch hierzulande zu vernehmen. Neue ökologische und gesellschaftliche Herausforderungen erforderten in den nächsten Jahrzehnten nachhaltige und effiziente Baukonzepte, schreibt das Fraunhofer Institut.

Große Treiber der Entwicklung sind der Wohnungsbau, die Neugestaltung der Städte, die zentrale Rolle der Logistik und die Energiefrage. Wie beispielsweise die deutsche Baubranche den Wunsch nach mehr Lebensqualität mit der Forderung nach ökologischer Effizienz und Nachhaltigkeit in Einklang bringen kann, ist ein Aspekt dieser Publikation. Auch wie es mit neuen Materialien wie gestickten Dächern aus Textilgewebe statt aus Stahlbeton weitergehen kann. Brücken und Stadiondächer mit gigantischen Spannweiten sind auf diese Weise bereits realisiert, Beispiel Fußballweltmeisterschaft 2014 in Rio de Janeiro.

Neben Neubau bleibt Sanierung ein Thema. Mehr als 20 Prozent der Heizenergie gehen zum Beispiel durch schlecht gedämmte Dächer oder oberste Geschossdecken verloren. Investitionen, die sich schnell amortisieren. Dabei dürfte jedem klar sein: Ohne digitale Technik und intelligente it sind die kommenden Herausforderungen im Bauwesen nicht zu bewältigen. Da wundert es schon, dass jetzt erst Methoden wie Building Information Modeling so richtig Fahrt aufnehmen und den Weg bis in die Niederungen in die reale Welt der Baustelle antreten.

Technik und Innovationen müssen die marode Infrastruktur reparieren und neu aufstellen. Intelligente Straße und Schienen können bessere Voraussetzungen für operative und strategische Entscheidungen schaffen. Baustoff- und verfahrenstechnische Weiterentwicklungen generieren Materialien und Konstruktionen, die Informationen wie Belastungen und Einwirkungen messen und analysieren.

Die Lust auf Neues ist notwendig, um das Wachstum der Branche zu meistern. Für das laufende Jahr wird ein nominales Wachstum der baugewerblichen Umsätze im deutschen Bauhauptgewerbe von zwei Prozent auf 101 Milliarden Euro erwartet. Erstmalig wird 2015 die 100-Milliarden-Marke seit dem Jahr 2000 wieder überschritten. Ein günstiges Umfeld für Wohnungsbauinvestitionen treibt den Wohnungsbau voran. In diesem an Bedeutung zunehmenden Segment wird der Umsatz im Bauhauptgewerbe um 3,0 Prozent auf 36,8 Milliarden Euro steigen. Fokus Nachhaltigkeit, ökologisches Denken, Faszination Hightech, Steigerung der Lebensqualität und das Gestalten der Räume, die uns 24 Stunden täglich umgeben, sind Themen, die junge Menschen begeistern. Möge diese Publikation aufzeigen, dass der Bau eine große Zukunft bei der Berufswahl hat. Denn ohne qualifizierten Nachwuchs endet alles in einer Sackgasse.

Von Karl-Heinz Möller

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Artikel aus Ausgabe 05/2014

Die Bauindustrie

Medienpartner: Frankfurter Allgemeine Zeitung

Auf den Langfristerfolg setzen

Nachhaltiges Bauen rückt immer mehr in das Bewusstsein von Bauherren. Die Errichtung von Gebäuden soll künftig stärker im Einklang mit der Ökologie, Ökonomie und den Menschen stehen. Betrachtet wird dabei der gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes.

Der Anspruch ist hoch. Beim nachhaltigen Bauen geht es um nichts weniger als die Bewahrung des Ökosystems und der Umwelt, die Ausrichtung auf den Nutzen für Mensch und Gesellschaft und die Optimierung und Steigerung der ökonomischen Potenziale eines Gebäudes. „Das Thema Nachhaltigkeit ist aus der Bau- und Immobilienbranche nicht mehr wegzudenken“, heißt es bei der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen. Investoren, Bauherren, Bewohner und Nutzer würden von nachhaltig geplanten Gebäuden ebenso wie die Umwelt und zukünftige Generationen profitieren.

Da ist es nicht verwunderlich, dass die Olympischen Sommerspiele 2012 mit dem Argument nach London vergeben worden sind, dass die Sportstätten dort nachhaltig gebaut werden sollten, also auch für zukünftige Generationen nutzbar gemacht werden. Das 80.000 Zuschauer umfassende Olympiastadion wurde so konzipiert, dass es auf eine Arena von 25.000 Plätzen verkleinert werden konnte und damit auch für weniger große Veranstaltungen gut genutzt werden kann.

Gütesiegel auf dem Vormarsch

Die Grundidee für nachhaltiges Bauen stammt übrigens aus der Forstwirtschaft. So soll nicht mehr Holz gefällt werden als nachwachsen kann. Nachhaltigkeit am Bau betrachtet daher nicht nur den Aufwand der Herstellung, sondern den gesamten Lebenszyklus bis hin zum Rückbau und der Entsorgung oder dem Recycling von Baumaterialien. Genauso spielen auch die Betriebskosten eine Rolle. Denn vor allem bei Gewerbeimmobilien stellen diese Nutzungskosten über die Jahre oft einen wesentlich höheren Kosteneinsatz dar als die Planung und Errichtung. Um die Nachhaltigkeit eines Gebäudes überhaupt darstellbar zu machen, wird mittlerweile mit zahlreichen Gütesiegeln gearbeitet. Mit ihnen sollen Planungen und Prozesse optimiert oder auch die Gesamtkosten durch geringere Betriebskosten gesenkt werden.

Materialien und Verfahren im Blick

Eine Zahl zeigt, wo nachhaltiges Bauen vor allem ansetzen muss: Rund 40 Prozent des Endenergieverbrauchs in Deutschland gehen auf das Konto von Gebäuden und werden hier für Heizung, Beleuchtung und Klimatisierung verbraucht. Also ist es sinnvoll, beim nachhaltigen Bauen auf Materialen und Verfahren zu setzen, die Immobilien in dieser Hinsicht verbessern und effizienter gestalten. Die Bundesregierung hat sich dieses Thema groß auf die Fahnen geschrieben. Das Bauministerium verfasst immer wieder eigene Leitfäden zum nachhaltigen Bauen. Diese umfassen auch einen Kriterienkatalog zur ganzheitlichen Betrachtung und Bewertung von Nachhaltigkeitsaspekten für Gebäude. Anhand verschiedener Teilaspekte und Gewichtungen kann ein Gebäude dann mit einer Gesamtnote zur Bewertung versehen werden.

von Michael Gneuss