Reflex-Verlag

Reflex-Verlag Ausgabe 2013/09

Verpackung der Zukunft

Eine Publikation des Reflex Verlages zum Thema Verpackung der Zukunft

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Inhaltsindex
  • 4
    Wie Waren Daten austauschen

    Rfid-Technologie sorgt für Transparenz. Sie hilft dabei, Produkte zu identifizieren und zu lokalisieren.

  • 6
    Plastik aus Pflanzen

    Biokunststoffe sind eine logische Konsequenz der heute an Verpackungsmaterialien gestellten Forderung nach Nachhaltigkeit.

  • 7
    Sichere Hülle

    Gerade Folienverpackungen für Lebensmittel und Medizinprodukte sind Hightech-Produkte.

  • 8
    Der Fußabdruck soll kleiner werden

    Verpackungshersteller achten zunehmend auf Nachhaltigkeit und investieren in nachwachsende Rohstoffe.

  • 10
    Bis zum Verzehr verschlossen

    Obst, Gemüse und Fisch in Lebensmitteldosen haltbar machen – ein Verfahren, das vor Verderb schützt und nachhaltig ist.

  • 12
    Die Markenverpackung als Hingucker

    Die Optik ist mitentscheidend für den Erfolg eines Produktes. Haptische Verpackungen könnten die Zukunft mitbestimmen.

  • 13
    Sie schneidern das richtige „Kleid“

    Moderne Verpackungsmaschinen müssen immer effizienter arbeiten, flexibel sein und dabei auch die Umwelt schonen.

  • 14
    Wie Frisches länger frisch bleibt

    Kunststoffverpackungen mit dauerhafter Barriere schützen Lebensmittel vor äußeren Faktoren und machen sie länger haltbar.

  • 15
    Produktaufwertung durch Etiketten

    Shrink Label, Haft-Label, No Label: Etiketten sind nützliche Informationsträger und eine Wissenschaft für sich.

Leitartikel

Als das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude 1995 den deutschen Reichstag verhüllten, gelangte das historische Gebäude Millionen von Deutschen zum ersten Mal überhaupt ins Bewusstsein. Die spektakuläre Aktion zeigt bis heute: Oft existieren Dinge erst durch ihre äußere Hülle. Das gilt schon gar für all die Verpackungen, in denen sich unsere Warenwelt präsentiert. Längst schon ist die Verpackung Teil der Marke und entscheidet über den Erfolg im Verkauf. Und sie muss immer mehr Anforderungen erfüllen, die ebenfalls fest mit dem Produkt verbunden werden, etwa die Forderung nach Nachhaltigkeit. Zugleich muss sie Qualität und Schutz der Ware garantieren.

Die Form macht's

Schon immer gab es Verpackungen, die praktisch eins mit dem Produkt waren. Man denke nur an jene gewisse blaue Creme-Dose. Heute gibt es nicht nur, was Pflegeprodukte angeht, eine solche Varianz, dass an Differenzierung kein Weg vorbeigeht. Aufsehenerregende Logos reichen da nicht aus – auch die Form macht's. Zugleich muss das „Ding" im Regal auffallen und als passend für das Produkt empfunden werden. Große Herausforderungen also, wenn es um Produktrelaunches geht, bei denen sich die Form ändert: Immerhin 55 Prozent aller neuen Verpackungen scheitern, glaubt man neuesten Untersuchungen. Zur Forderung nach der Wiedererkennbarkeit kommen neue Verkaufs- und Vertriebskonzepte hinzu. An die Miniaturversionen von Zahnpastatuben, Cremedosen und Shampoo-Flaschen in der Drogerie hat man sich schon gewöhnt. Dieser Variantenreichtum wird zunehmen und sich nicht auf die Größe beschränken. Verschiedene Verpackungen der gleichen Sache je nach Zielgruppe und Verkaufsort sind ein klarer Trend. Customization, also die individuelle Verpackung ganz nach Kundenwunsch, dürfte zur Normalität werden – verstärkt durch die Möglichkeiten des digitalen Einkaufens. Das alles macht ganz neue Supply Chain-Konzepte notwendig. Sie müssen flexibel und schnell mit der Automatisierung von Bestellung, Produktion und Versand umgehen können, dem Trend zu immer kleineren und variantenreicheren Chargen.

Sinkender Ressourcenverbrauch

Produktwahrnehmung über die Verpackung führt noch zu ganz anderen Herausforderungen. Verbraucher etwa nehmen den „Nachhaltigkeitsgrad" einer Ware sehr stark über die Verpackung wahr. Gerade auf diesen Aspekt hat die Verpackungsindustrie in den vergangenen Jahren einen Großteil ihrer Innovationskraft konzentriert. Schon bei der Herstellung werden immer weniger Ressourcen verbraucht. Bei pet-Flaschen etwa konnte der Materialverbrauch zwischen 2003 und 2011 um 45 Prozent gesenkt werden. Noch mehr schafft die Verwendung von recyceltem pet. Gegenüber der Produktion von neuen Kunststoffen spart es fast 75 Prozent Öl oder Gas, 65 Prozent Energie und die entsprechende Menge co2. Und Nachhaltigkeit findet auch nach dem Verbrauch statt. Verpackungen müssen auf optimale Wiederverwertbarkeit hin designt sein. Nicht wegen gesetzlicher Vorgaben aus Brüssel, sondern weil sie wertvolle Rohstoffe sind. Der Forscherdrang der Verpackungsbranche in puncto effizienter Produktion erleichtert zudem den Umgang mit steigenden Rohstoff- und Energiepreisen, die nicht einfach an die Verbraucher weitergegeben werden können. Und nicht zuletzt: Markenführung und Marketing über die Verpackung braucht innovative Maschinen, die immer ausgefallenere Formen und neuartige Materialien zulassen. Nicht umsonst lautet ein geflügelter Begriff der Branche: „Marketing durch Maschinen"

Wichtig ist, was drin ist

 Zuguterletzt kommt der Fortschritt auch dem zugute, um was es eigentlich geht: dem Inhalt. Nicht nur, dass vor allem verderbliche Ware durch neue oder weiterentwickelte Materialien immer besser geschützt wird. Neue Verpackungsstechniken erlauben immer attraktivere Präsentationsformen – Verbunddeckel aus Kunststoff und Papier etwa, in das im Prozess per Laser günstig und schneller als zuvor beliebige „Guckfenster" geschnitten werden kann. Am Ende des Tages geht es eben doch um das, was drin ist. Auch der Reichstag wurde nach zwei Wochen wieder ausgepackt.

 

von Otmar Rheinhold

 

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