Reflex-Verlag

Reflex-Verlag Ausgabe 2013/07

Kaffeeland

Eine Publikation des Reflex Verlages zum Thema Kaffeeland

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Inhaltsindex
  • 3
    Deutschland ist Kaffeeland

    Die einstige Arznei ist heute das liebste Getränk der Deutschen. Von den Kaffeeplantagen bis zur perfekten Zubereitung zu Hause.

  • 5
    Kaffeearomen kennen viele Feinde

    Ihr Espresso schmeckt fad oder bitter? Dann könnte auch das Leitungswasser schuld sein.

  • 6
    1001 Variationen, 1001 Köstlichkeiten

    Schon kleinste Veränderungen beeinflussen den Geschmack Ihres Kaffees. Hier sind ein paar Tipps – probieren Sie sie aus.

  • 8
    Ein zartes Pflänzchen

    Auf Klima, Boden und Höhe kommt es an – Kaffeebäume sind sensibel, sie gedeihen nur unter besonderen Bedingungen.

  • 9
    Gutes Gewissen verkauft sich besser

    Unternehmen und Verbraucher setzen auf nachhaltigen Kaffee. Doch noch sind fair gehandelte Bohnen ein Nischenprodukt.

  • 10
    Von Handwerkskunst und Laienglück

    Wege zur individuellen Kaffeeröstung gibt es viele – vom Traditionshandwerk bis hin zur eigenen Bratpfanne.

  • 11
    Espresso für Experten

    Kaffee ist Kunst: Mit der 5-M-Formel zum perfekten Espresso.

  • 12
    Doping beim Kaffeeklatsch

    Koffein kann die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit deutlich steigern. Forscher verraten die optimale Dosis.

  • 13
    Renaissance der altbekannten Arznei

    Immer mehr Studien zeigen, dass antioxidative Substanzen im Naturprodukt Kaffee vor vielen chronischen Erkrankungen schützen.

  • 14
    Ein Getränk erobert die Welt

    Von den Türken verbreitet, in Europa heiß geliebt – wie der Kaffee von einem für einige zu einem für alle wurde.

  • 15
    Andere Länder, andere Sitten

    Die einen mögen‘s süß, die anderen nur am Morgen – fast jedes Land hat seine eigene Kaffee-Kultur entwickelt.

Editorial

Mehr als ein Getränk

Mit dem Satz „Treffen wir uns auf einen Kaffee?“, haben schon viele Liebesgeschichten angefangen. Drei von vier deutschen Singles gehen ein erstes Date auf diese Weise an, hat kürzlich eine Umfrage herausgefunden. Auch wenn das natürlich nicht heißt, dass am Ende nicht andere Getränke auf den Tisch kommen können.

Deutschland und sein Kaffee sind an sich schon eine Liebesbeziehung der besonderen Art. Sie währt und gedeiht seit vielen Jahrzehnten. Einst war das schwarze Gold ein Luxusgut, das sich nur wenige leisten konnten. Während der Industrialisierung wurde Kaffee zum Volksgetränk. Statt Biersuppe gab es massenhaft Kaffeesuppe, mit entsprechend positiven Effekten für Wachheit und Konzentration bei der Arbeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg hieß Kaffeetrinken dann, sich wieder etwas leisten zu können. Der Genuss galt in den Jahren des Wirtschaftswunders erneut als Symbol für den Aufschwung.

Doch wie stehen die Deutschen heute zu ihrem Lieblingsgetränk? Szenekenner sprechen hier von einer „dritten Welle“. Mit der ersten Welle ist der Kaffee in den 1950er Jahren in die Supermärkte geschwappt. Fertig gemahlen und vakuumverpackt im altbekannten Ziegelsteinformat. In der zweiten Welle der 1980er Jahre bekamen Handfilter und die klassischen Kaffeemaschinen verstärkt Konkurrenz. Wer etwas auf sich und seinen Kaffee hielt, schaffte sich auch für zu Hause Kaffeevollautomaten oder Espressomaschine an und setzte auf Spezialbohnen kleiner Kaffeeröstereien. Kaffee heißt immer öfter wieder wie zu Anfangszeiten Coffee und verkauft sich gerne auch „to go“ – mit Amaretto- oder Haselnuss-Aroma. Pads und Kapseln bereichern die Zubereitungsvielfalt.

Nun erfasst die besagte dritte Welle die deutschen Großstädte. Im Mittelpunkt steht diesmal der Kaffeekult selbst. Cafés verwandeln sich in Chemielabore für den Selbstgebrühten. Kaffeekenner fachsimpeln mit Worten, die man eher von Weinliebhabern kennt. Manche äthiopische Bohne weckt da Erinnerungen an Schokolade und Waldboden. Oder darf es doch lieber der Fruchtige sein, mit einem Hauch von Himbeere? Wenn nicht, dann gäbe es ja noch den Deftigen, mit feiner Knoblauchnote.

Wie zuvor schon bei Whiskey oder Schokolade wird es den Menschen immer wichtiger, zu wissen, woher ihre Kaffeebohne kommt. Wird sie nachhaltig angebaut? Fair gehandelt? Frisch und vor Ort geröstet und gemahlen? Zu diversen Kaffee-Blogs kommen auch Kaffee-Weltmeisterschaften hinzu. Die Technik wird dabei sogar immer einfacher: Der zuvor als altbacken geltende Filterkaffee erlebt eine Renaissance.

Doch Genussfaktor hin oder her – all die Liebe zur Bohne kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie vor allem Handelsware ist. Nach dem Erdöl ist Kaffee sogar das wichtigste Handelsgut der Weltwirtschaft. Sein Markt ist rund 50 Milliarden Euro schwer. Die braunen Bohnen sind heute die Lebensgrundlage für etwa 100 Millionen Menschen in mehr als 50 überwiegend ärmeren Ländern.

Auf den Plantagen geht es indes nicht immer so zu, wie es sich der deutsche Kaffeetrinker wünscht. Kernarbeitsnormen, auf die sich die Weltgemeinschaft verständigt hat, werden nicht immer eingehalten. Doch Konsumenten haben die Chance, am Ladentisch wie am Tresen über die Arbeitsbedingungen mitzuentscheiden. Sie tun das auch, im Bewusstsein, dass billigste Kaffeesorten nicht unbedingt die nachhaltigsten sein müssen. Und so lassen sie sich Kaffeegenuss zunehmend etwas kosten – und greifen auch immer öfter zu Bio- oder fair gehandelten Produkten.

Michael Gneuss 
Chefredakteur

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