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Reflex-Verlag Ausgabe 2013/06

Smart Living und Business - Standort Deutschland

Eine Publikation des Reflex Verlages zum Thema Smart Living und Business - Standort Deutschland

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Inhaltsindex
  • 4
    Digitalfotografie boomt

    Smartphones und soziale Netze lassen die Zahl der geschossenen Fotos steigen und kurbeln die Fotodruckbranche an.

  • 5
    Intelligente Haustechnik

    Schlaue Häuser sind heute noch Exoten. Ab 2025 werden die mitdenkenden vier Wände zum gehobenen Lebensstandard zählen.

  • 6
    Home Entertainment

    Die Digitalisierung treibt an: Medien und Geräte verschmelzen immer weiter miteinander und bieten beste Unterhaltung.

  • 8
    Datensicherheit im Netz

    Das Internet birgt viele private und betriebliche Geheimnisse. Die Suche nach Schutz rückt immer mehr ins Blickfeld.

  • 10
    Superstandort D

    Schulden- und Konjunkturkrise können dem Ansehen Deutschlands wenig anhaben. Gute Zeiten für Investoren.

  • 12
    Bedarf an Infrastruktur

    Die Infrastruktur der Bundesrepublik ist vorbildlich. Im internationalen Vergleich schneiden nur Singapur und Hongkong besser ab.

  • 13
    Check Wirtschaftszweige

    Deutschlands Ingenieure stellen sich auf eine weitere Digitalisierung ein. Das Geschäft mit dem Internet boomt.

  • 14
    Fachkräfte gesucht

    Der leergefegte Arbeitsmarkt für Fachkräfte gefährdet den High-tech-Standort. Qualifikation und Zuwanderung sollen helfen.

Editorial

Im Irrgarten der Multioptionsgesellschaft

Eigentlich sind wir nicht dazu geboren, um tagein tagaus  in der Tretmühle zu strampeln und uns bis zur Erschöpfung abzurackern. Zumindest teilen Philosophen, Psychologen, Therapeuten und Mediziner diese Meinung. Andrerseits würde das andere Extrem, dauerhaftes Nichtstun und durch den Tag zu schlurfen den meisten nicht bekommen. Falls sie denn jemals die Chance dazu bekämen.

2000 Jahre ist es her, dass das damals vor Reichtum strotzende  Rom in Dekadenz und Perversion versank. Die gelangweilten Bürger amüsierten sich förmlich zu Tode. Studien der Glücksforscher belegen, dass erst ein ausgefülltes berufliches und privates Dasein die höchsten Glücksgefühle erzeugt. Vielleicht kommt unsere Gesellschaft mit dem Ansatz von Smart Living und Smart Business diesem Stadium näher. „Ökonomie ist die Kunst, das Beste aus unserem Leben zu machen," sagte George Bernhard Shaw. Nach diesem Statement kann es im Leben nicht um Einkommensmaximierung gehen. Sondern eher um die Maximierung des menschlichen Glücks. Wissenschaftler sprechen von einem Niveau des subjektiven Wohlbefindens.

In reifen Volkswirtschaften wie Deutschland besteht die akute Gefahr, auf eine viel unattraktivere Art als damals in Rom zu degenerieren. Es lohnt sich, diese Tendenzen zu analysieren. Aus ökonomischer Sicht  ist die Suche nach dem Lebensglück ein dynamischer Prozess in zwei sehr unterschiedlichen Phasen. Am Anfang wird in der Regel ein Einkommen erwirtschaftet, um die Dinge zu finanzieren, die wir für ein glückliches Leben brauchen. Hierzulande lernen das mehr oder weniger alle schon in der Kindheit, teilweise bis zur Perfektion. Schön im Rhythmus bleiben, Fähigkeiten aufbauen, Karriere machen, Geld verdienen. Reflektionen über Wohlfühlen und Sinnhaftigkeit finden kaum statt.  Der zweite Schritt, das verdiente Einkommen so zu verwenden, dass es tatsächlich glücklich macht, gelingt oft genug nicht. Die Werkzeuge, die zur „Lebenskunst" oder zum „Savoir-vivre" hin führen, werden uns weder in der Schule noch in der Ausbildung in die Hand gegeben.

In Europa wird das Ganze auch das „deutsche Modell" genannt. Der französische EU-Abgeordnete und Co-Chef der Linken Jean-Luc Mélenchon  spottet, Deutschland sei nichts für die Lebenslustigen. Die Menschen zwischen München und Hamburg seien ärmer als der Durchschnitt, sie lebten nicht so lange wie die anderen, sie hätten keine Kinder et cetera. Mélenchon gehört zu den schärfsten französischen Kritikern einer marktwirtschaftlich orientierten Sparpolitik.

Zwar politisch motiviert könnte doch ein Körnchen Wahrheit in dieser Provokation stecken. Menschen, die primär an Geldverdienen und Karrieremachen denken, handeln unökonomisch, weil sie damit ihr Glück nicht maximieren. Die entscheidenden Ressourcen heißen Zeit und Geld. Es muss mehr das Streben geben, eine bessere Mischung von Zeit und Geld zu finden.

Treffen bei der Betrachtung und den Ursachen von Glück die ökonomische Betrachtungsweise mit den Beobachtungen der Psychologie und der Philosophie zusammen, kann etwas Neues entstehen. Eine Rückbesinnung des eigentlichen Zwecks des Wirtschaftens wäre von Vorteil. Wobei es in einer Multioptionsgesellschaft enorm schwierig ist, die Produkte und Beschäftigungen zu finden, die tatsächlich wichtig sind. Es besteht die Gefahr des totalen Untergangs in der Menge der Möglichkeiten. Nur selten nehmen wir uns die Zeit, gelassen die passenden Entscheidungen herauszufiltern.

Mit einer solchen Intention haben wir uns dem Titel dieser Publikation genähert. Die Auswahl der Themen erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Mögen die Beiträge sprudelnde Phantasien auslösen, um das Phänomen der individuellen Lebensqualität zu entschlüsseln.

Karl-Heinz Möller 
Chefredakteur

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