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Reflex-Verlag Ausgabe 2013/06

Leben mit Krebs

Eine Publikation des Reflex Verlages zum Thema Leben mit Krebs

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Inhaltsindex
  • 3
    Leben mit Krebs – Leben trotz Krebs

    Mehr Kranke, weniger Tote: Krebs ist weiterhin eine der größten Geißeln der Menschheit, doch ihr Schrecken nimmt ab.

  • 4
    Supportive Maßnahmen: Der Blick fürs Ganze

    Natürliche Behandlungsmethoden entpuppen sich immer mehr als wichtige Begleittherapien im Kampf gegen Krebs.

  • 6
    Blick in den Körper

    Neuartige Radiologie-Verfahren helfen bei der Diagnose, Behandlung und Nachsorge bei Krebserkrankungen.

  • 7
    Millimetergenauer Kampf

    Radiochirurgie kommt ohne Skalpell oder Narkose aus. Die Einsatzmöglichkeiten sind jedoch begrenzt.

  • 8
    Behandlung nach Maß

    Die Identifizierung der Handschrift von Tumoren ebnet den Weg für eine individuelle Therapie sowie zielgerichtete Medikamente.

  • 9
    Mastektomie: Radikaler Schnitt

    Frauen mit Vorbelastung haben ein erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Eine vorsorgliche Amputation kann sinnvoll sein.

  • 10
    Ohne Symptome im Frühstadium

    Frühzeitige Untersuchungen können Leid und Leben mit starken Einschränkungen ersparen.

  • 11
    Risiko familiäre Belastung

    Gibt es Fälle von Darmkrebs in der Familie, sind Vorsorgeuntersuchungen bereits in jungen Jahren notwendig.

Leitartikel

Leben mit Krebs Leben trotz Krebs

Mehr Kranke, weniger Tote: Krebs ist weiterhin eine der größten Geiseln der Menschheit, doch ihr Schrecken nimmt ab.

Die Schauspielerin Angelina Jolie lässt sich wegen ihres erhöhten Brustkrebsrisikos vorsorglich die Brüste entfernen. Ihr männlicher Kollege Michael Douglas feiert Erfolge in Cannes, nachdem er seinen Kehlkopfkrebs besiegt hat. Auch in diesen Tagen und Wochen sind es Prominente, die das Thema Krebs in die Schlagzeilen bringen . Sie sensibilisieren die Öffentlichkeit für eine Krankheit, die nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die meisten Todesopfer in den Industrienationen fordert.

Mehr Diagnosen, weniger Tote

490.000 Menschen erkrankten nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) im vergangenen Jahr neu an Krebs. Das entspricht der Einwohnerschaft einer Großstadt wie Nürnberg. Deren Einwohnerzahl wächst – ebenso wie die Zahl der Krebsneuerkrankungen in Deutschland. Für Männer ist Prostatakrebs die häufigste Krebsart, bei Frauen ist es der Brustkrebs. Lässt man das Geschlecht außen vor, führt Darmkrebs die Statistik an. Solche Werte sind im Übrigen nicht festgemeißelt. So sinken etwa die Zahlen für Lungenkrebs – in aller Regel vom Rauchen verursacht – bei Männern seit Jahren kontinuierlich, während sie bei Frauen anziehen. Eine Folge des immer noch zunehmenden Tabakkonsums unter Frauen.

Die Zahl der Todesfälle durch Krebs jedoch sinkt. Vor 1980 starben mehr als zwei Drittel aller Betroffenen an ihrer Krankheit. Heute sind es weniger als die Hälfte. Von 218.000 Krebstoten geht das RKI für 2012 aus. Beide Tendenzen – steigende Zahl der Neuerkrankungen, sinkende Zahl der Todesfälle – geben den Rahmen an, innerhalb dessen sich Krebs in unserer Gesellschaft beschreiben lässt.

Faktor Demografie

Dass bei immer Menschen Krebs diagnostiziert wird, liegt nur zum Teil an ungesundem Verhalten. Eine wichtige Rolle spielen verbesserte Diagnoseverfahren und häufiger erfolgende Vorsorgeuntersuchungen. Krebs wird schlicht immer häufiger entdeckt. Hauptgrund dürfte aber die sich verändernde Altersstruktur ein. Denn einer der größten Risikofaktoren, an Krebs zu erkranken, ist nach wie vor das Alter. Nur ein Beispiel: Frauen, denen Brustkrebs attestiert wird, sind im Schnitt 65 Jahre alt.

Steigende Krebszahlen, sinkende Todesraten: Krebs ist eben heutzutage nicht automatisch mehr ein Todesurteil. Es gilt nach wie vor der alte Dreiklang der Krebstherapie: Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie. Doch gerade Chemo- und die Strahlentherapie erleben einen ständigen Fortschritt. Immer genauer etwa können auch schwer zugängliche Tumoren durch neuartige Methoden der Bestrahlung behandelt werden. Chemotherapeutische Medikamente wirken unter bestimmten Umständen nur an Ort und Stelle und beeinträchtigen nicht den gesamten Körper.

Leben trotz Krebs

Zudem stehen heute sogenannte zielgerichtete Therapien zur Verfügung, die sich des individuellen genetischen Profils eines Tumors bedienen. Bösartige Tumore weisen eine riesige Vielfalt auf. Was gegen den einen funktioniert, muss gegen den anderen nicht klappen. Deshalb kann heute bei manchen Krebsarten – Magenkrebs etwa, oder Brustkrebs – vor einer Therapie getestet werden, ob der Tumor überhaupt auf eine bestimmte Therapie anspricht.

Solche zielgerichteten, personalisierten Krebsmedikamente basieren unter anderem darauf, Krebszellen für bestimmte im Körper vorhandene Wachstumshormone blind zu machen. Antikörper besetzen bestimmte Rezeptoren auf der Oberfläche der Krebszelle, deren Wachstum dadurch gestoppt wird. Das ermöglicht Therapien, die noch vor zwanzig Jahren undenkbar gewesen wären.

Fazit: Krebs tötet nach wie vor. Aber sein Schrecken schwindet mit jedem Jahr, in dem die medizinische Forschung neue Fortschritte macht. Leben mit Krebs – trotz Krebs – ist möglich.

 

Karl-Heinz Möller 
Chefredakteur

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