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Reflex-Verlag Ausgabe 2013/03

Verpackung der Zukunft

Eine Publikation des Reflex Verlages zum Thema Verpackung der Zukunft

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Inhaltsindex
  • 3
    Intelligente Brötchentüten

    Innovative Materialien erweitern die Funktion von Verpackung und erhöhen die Qualität der Produkte.

  • 4
    Stoffe von morgen

    co2-Fußabdruck wird als Klimaschutzindikator bei der Herstellung von Verpackungen immer wichtiger.

  • 6
    Digitale Verpackung

    Die Verpackung von Morgen wird immer technischer – zumindest wo es sinnvoll erscheint.

  • 7
    Produktschutz Lebensmittel

    Sperrschichten verhindern, dass ungewollte – oder gar gesundheitsgefährdende – Substanzen in Lebensmittel eindringen können.

  • 8
    Innovationen für Food

    Verpackungen schützen Lebensmittel vor Sauerstoff, Feuchtigkeit und Verunreinigung – und zwar ganz aktiv.

  • 9
    Nachhaltig verkaufen

    Verpackungen sollen nachhaltiger werden – ohne dass der Produktschutz darunter leidet.

  • 10
    Marken und Design

    Verpackung ist der Joker bei der Markenbindung. Weil sie multisensorisch ist, werden beim Kunden alle Sinne stimuliert.

  • 11
    Rohstoffe durch Recycling

    Deutschland steht gut da im Recycling-Vergleich. Ohne politische Rangeleien wäre die Verwertungsquote sogar noch höher.

  • 12
    Bequemer einkaufen

    Die Ansprüche der Verbraucher steigen, Produktverpackungen werden immer bequemer – und intelligenter.

  • 14
    Neue Maschinen

    Flexibilität, Nachhaltigkeit und Handhabung bestimmen die Herstellung von Verpackungen.

Editorial

iEi gefällig?

Wer hat nicht schon einmal über Verpackungen geflucht! Mal fallen beim Entblättern der gekauften Ware Berge von Papier, Pappe und Plastik an. Mal kommt man erst gar nicht an das Produkt heran. Klassiker ist das geschlossene Gurkenglas, das partout jedem Öffnungsversuch widersteht. Begeisterung rufen in der Regel auch Umhüllungen von Umhüllungen von Umhüllungen von Umhüllungen hervor.

Da lob ich mir das Ei! Auch wenn es gerade im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion steht, sein Ruf gefährdet ist. Für mich ist das Ei das genialste Produkt mit der perfektesten aller Verpackungen. Veganer mögen mir verzeihen. Konstruktion und Form sind überzeugend: stabile natürliche Hülle, unnachahmlich zeitloses Design, wunderbar anzufassen, frisch duftende Konsistenz mit in der Regel gleichbleibender inhaltlicher Klasse. Grandios bis in die Produktion: Alle 24 Stunden legt die Henne ihr frisches Produkt ins Nest. Dank harter Schale geschützt gegen störende äußere Einflüsse wie Licht, Druck und Feuchtigkeit. Jedes ein Unikat, kein Ei gleicht dem anderen!

Wen wundert es da noch, dass dieses Wunder der Natur als geniales ‚Paket‘ in allen Details häufig kopiert wird. Marketing-Strategen entdecken es immer wieder neu, ob in Form von Kinderüberraschung aus Schokolade oder als windschnittiger Beetle. Jüngstes Beispiel ist das iPhone. Als Henne fungierten die Firma Apple und ihr Erfinder. Es könnte sein, dass ein Ei aus dem Silicon Valley mit seiner unnachahmlichen Verpackung die Blaupause bot. Zwar soll das kleine i Assoziationen wie information, innovation oder intelligent hervorrufen. Aber nichts anderes als die Verpackung hat den Siegeszug des iPhone um die ganze Welt ermöglicht. ‚It‘s the package‘ soll Genius Steve Jobs einmal gesagt haben. Denn innen drin stecken nur ein paar Chips, Transistoren, Platinen, Metalle und ein bisschen Elektronik – wie in jedem anderen Smartphone! Erst wenn der User das iPhone mit seinen klassischen Proportionen in der Hand hält, über den samtenen Bildschirm streicht, mit den Fingerkuppen das Hin- und Herschieben der Inhalte spürt, entsteht die Faszination. Im Spiel mit dem kompletten Apple-Programm wie iTunes, iPod, iMac und Apps wird mehr als klar, warum das iPhone und die Mac-Welt Kult geworden sind.

Kein Lehrbuch kann besser das Phänomen Verpackung beschreiben, als das iPhone. Verpackung wird Teil einer Philosophie, in der das tatsächliche Verpacken nur eine von vielen Funktionen darstellt. Es kommt nicht mehr allein auf den inneren Wert des Produktes an, sondern auf Präsentation, Nutzen, Image und Emotionen. Zurück zum Nukleus, dem Ei. Es müsste als Ei von heute eigentlich iEi heißen. Denn auch das simple Ei ist mehr als früher, als bei vielen noch Hühner auf dem eigenen Hof rumliefen. Denn ein Bio-Ei, wenn es denn tatsächlich eines ist, steht für ein anderes Ideal als das Ei aus der Legebatterie. Der Kauf eines Bioproduktes symbolisiert eine Anschauung. Dahinter könnte in diesem Falle Verantwortung gegenüber der Henne, den Konsumenten und der Natur stehen. Auch der bessere Geschmack plus ein bisschen grünes Image wird gerne in Kauf genommen. Jeder an der Kasse Stehende kann die Schachtel mit dem Biosiegel sehen.

Eine umfassende Definition von Verpackung mit Funktionen wie Schutz, Transporthülle, Informationsquelle, Hygiene-Barriere, Kaufanimation und Begierde steht als Metaebene über dem Inhalt dieser Publikation. Verpackung ist ein System mit einer Vielzahl von Aufgaben und eigener Intelligenz geworden.

Zur beschrieben Entwicklung gehört auch, dass die Konsumenten intelligenter und professioneller geworden sind. Bestens informiert, fokussiert und selbstbewusst wird verglichen und entschieden. Einfach nur Produkte einzutüten, war gestern. Konsumenten kaufen Werte, nicht Waren. Smartphones erleichtern den Einkauf und eröffnen neue Möglichkeiten, das iPhone wird zum mobilen Einkaufsassistenten MEA. Konsumenten, Händler, Produzenten fordern die Verpackungsindustrie heraus, alles unter einen Hut zu bringen. Möge ein iEi daraus werden.

Karl-Heinz Möller 
Chefredakteur

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