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Reflex-Verlag Ausgabe 2013/03

Leben mit Krebs

Eine Publikation des Reflex Verlages zum Thema Leben mit Krebs

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Inhaltsindex
  • 3
    Komplexität als Herausforderung

    Krebs ist auf dem Vormarsch. Doch die Wissenschaft hält mit. Immer wichtiger ist die personalisierte Therapie.

  • 4
    Hoffnungsträger Forschung

    Perspektivenwechsel in der onkologischen Forschung ebnen neue Wege, damit Patienten mit der Diagnose Krebs besser leben können.

  • 4
    Der Blick auf das große Ganze

    Warum die relativ neue Disziplin der Systembiologie der Krebsforschung einen neuen Schub verleihen kann.

  • 6
    So kommt mehr Klarheit ins Dunkel

    Krebsregister beinhalten ein umfassendes Spektrum an Krebsdaten. Diese tragen dazu bei, Krebs gezielter zu behandeln.

  • 7
    Schulmedizin reicht allein oft nicht aus

    Komplementäre und alternative Krebstherapien sind zunehmend im Kommen und machen Standardtherapien Konkurrenz.

  • 8
    Zielgerichtet den Krebs in Schach halten

    In der Onkologie setzen sich individuelle Therapien sukzessive durch. Sie sind imstande, punktgenau Tumoren anzugreifen.

  • 9
    Verdrängungsschmerz

    Tumoren an der Wirbelsäule sind relativ selten, können aber bis zur Lähmung führen.

  • 10
    Geballte Ladung gegen den Tumor

    Moderne Strahlentherapien arbeiten zielgerichtet. So gibt es mehr Heilerfolge und weniger Nebenwirkungen.

  • 11
    Hoffnung auf Heilung beim Krebs im Kopf

    Gehirntumoren machen jährlich nur zwei Prozent aller neuen Krebserkrankungen aus.

  • 12
    Keine reine Frauensache

    Brustkrebs ist die häufigste Tumorart bei Frauen. Doch auch Männer sind betroffen. Früherkennung ist das A und O.

  • 13
    Rauchen verursacht nicht nur Lungenkrebs

    Blasenkrebs ist relativ häufig. Über die Hauptursache sind sich viele nicht klar. Früh erkannt, bestehen gute Heilungschancen.

  • 14
    Nicht immer tödlich

    Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Doch nicht immer ist eine OP nötig.

  • 15
    Lebensqualität mit der richtigen Begleitung

    Krebspatienten haben oft mit schlimmen Schmerzen zu kämpfen – das muss nicht sein.

Editorial

Gebändigter Begleiter

Wer in alten Büchern blättert, die sich in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts mit der Zukunft der Menschheit beschäftigten, wird immer wieder auf eine Vorhersage treffen: Spätestens zu Beginn des 21. Jahrhunderts werde der Krebs endgültig besiegt sein. Wir alle wissen: Soweit ist es noch nicht. Dennoch hat der Krebs viel von seinem Schrecken verloren.

Das liegt auch daran, dass die Medizin inzwischen viel besser versteht, was Krebs eigentlich ist. Und weiß: Den Krebs gibt es nicht. Durchbrüche in der Genetik und der Molekularbiologie haben uns gelehrt, dass Tumoren eine enorme genetische und molekulare Vielfalt aufweisen. Die Genomanalyse eines Tumors ist mittlerweile oft der erste Schritt einer Therapie. So wird ermittelt, welche Maßnahmen bei diesem speziellen Karzinom überhaupt greifen. Mit der Folge, dass vielen Patienten unwirksame Therapien erspart bleiben, wirksame Methoden rechtzeitig zur Anwendung kommen – und die Überlebenschancen der Betroffenen rapide steigen.

Zielgerichtete Therapien, personalisierte Medizin lauten die Schlagworte dieses Vorgehens, das eine Krebserkrankung als individuelles Phänomen begreift. Doch auch die klassischen Methoden der Therapie unterliegen stetigem Fortschritt. Chemotherapien können heute differenzierter und oft mit weniger Nebenwirkungen eingesetzt werden. Der Nuklearmedizin stehen immer präzisere und gesundes Gewebe schonende Instrumente zur Verfügung. Auch die Diagnostik macht weiter Fortschritte. Neben den erwähnten Möglichkeiten der genetischen Analyse spielen bildgebende Verfahren weiterhin eine wichtige Rolle. Sie spüren zum Beispiel heute Krebszellen anhand von Stoffwechselvorgängen auf molekularer Ebene auf.

Noch ein weiterer Unterschied besteht zwischen unserer Zeit und den Zukunftsträumen vergangener Zeiten. Damals konzentrierte sich die Onkologie vor allem auf die Entfernung des Krebses. Seltener wurde darüber nachgedacht, wie er zu verhindern sei. Was auch daran lag, dass man Krebs als von außen kommendes Schicksal begriff. Heute ist klar: Auf sehr viele Risikofaktoren haben wir Einfluss. Niemand ist moralisch „schuld“ an seiner Krebserkrankung. Aber wer nicht raucht, Alkohol meidet oder nur in Maßen zu sich nimmt, auf seine Ernährung achtet und sich ab und zu bewegt – kurz, wer einem „gesundheitsfördernden Lebensstil“ folgt, der verringert erheblich die Gefahr, an Krebs zu erkranken.

Der Schwerpunkt nicht nur der Medizin, sondern auch ihrer Aufklärungskampagnen liegt deshalb inzwischen auf Prävention, also auf der Verhinderung der Erkrankung – und auf der Früherkennung. Viele Krebsarten müssten nicht tödlich verlaufen, würden sie nur rechtzeitig festgestellt. Bekanntes Beispiel ist der Darmkrebs, der in seinem Frühstadium mit grandiosen Aussichten behandelt werden kann. Auch gibt es mittlerweile statistisches Material, das eine positive Wirkung von Brustscreenings nahelegt.

Krebs ist nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für sein Umfeld und die Gesellschaft als Ganzes eine Belastung. Umso beruhigender ist es da, einen Wandel im Umgang mit der Krankheit zu beobachten. Galt Krebs früher als die böse Geißel der Menschheit, wird heute zunehmend klar, dass bösartige Tumoren vielleicht einfach Teil des menschlichen Lebens sind. Das soll das persönliche Leid nicht verharmlosen. Aber wer Krebs so betrachtet, muss auch die Betroffenen nicht mehr aus dem Leben ausschließen und sie als bereits aus der Gemeinschaft Ausgeschiedene brandmarken, wie es früher durchaus geschah. Heute geht es der Onkologie oft darum, ein gutes Leben mit dem Krebs zu ermöglichen, auch wenn eine endgültige Heilung nicht mehr möglich sein sollte.

Und eben vor diesem Hintergrund verliert der Krebs tatsächlich viel von seinem Schrecken. Selbst wenn die alten Bücher vielleicht nie Recht behalten werden und der Krebs nie ganz „besiegt“ werden wird: Die Behandlungsmöglichkeiten werden nach wie vor mit jedem Jahr besser. Krebs, das sollten alle wissen, ist schon längst kein Todesurteil mehr.

Mike Paßmann
Chefredakteur 

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