Reflex-Verlag

Reflex-Verlag Ausgabe 2012/10

Implantate

Eine Sonderveröffentlichung des Reflex Verlages zum Thema Implantate

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Inhaltsindex
  • 3
    Heilung, eingebaut

    Implantate retten Leben, geben Körperfunktionen zurück und machen uns schöner. Und sie sind mittlerweile echte Hightech-Medizin.

  • 4
    Künstliche Linsen für besseren Durchblick

    Moderne Augenimplantate können Fehlsichtigkeiten korrigieren. OPs werden durch präzise Laser noch exakter.

  • 5
    Erst Finanzierung klären, dann implantieren

    Kosten werden bei vielen Implantationen übernommen. Patienten, die künstliche Intraokularlinsen mit Zusatznutzen benötigen, winkt Erstattung.

  • 6
    Ersatzteile für die biologische Pumpe

    Verschiedene Implantate erhalten die Leistungsfähigkeit geschädigter Herzen. Moderne OP-Verfahren schonen die Patienten.

  • 8
    Die Qualität im Blick

    Die Kosten für aufwendige Operationen sollten nicht durch die Verwendung von Billig-Implantaten aus dem Ausland gedrückt werden.

  • 10
    Kniegelenke reagieren ohne Puffer gereizt

    Abnutzungen am Meniskus führen häufig zu Arthrose im Kniegelenk. Koordiniertes Muskeltraining beugt Kniebeschwerden vor.

  • 11
    Wer nicht fragt, bleibt unmündig

    Die richtige Klinik zu finden ist nicht leicht. Diverse Portale und Qualitätsberichte der Krankenhäuser helfen weiter.

  • 12
    Wie Hörcomputer zu neuer Lebensqualität verhelfen

    Ob knochenverankerte, Mittelohr- oder Cochlea-Implantate: Damit können schwerhörige, sogar taube Menschen ihr Hörvermögen verbessern.

  • 13
    Verwöhnprogramm für gesunde Augen

    Die Augen liefern 85 Prozent der Sinneseindrücke, sind unser Tor zur Welt. Damit sie fit bleiben, sollte man ihnen etwas Gutes tun.

  • 14
    Hausapotheken für eine bessere Versorgung

    Von einer Stammapotheke profitieren Patient und Gesundheitssystem: Das Modell spart Kosten und steigert die Lebensqualität.

  • 15
    Stützen des Systems

    Sie sind klein und sehen relativ unspektakulär aus. Und doch haben Stents schon vielen Hunderttausend Menschen das Leben gerettet.

Editorial

Eine ganz besondere Maschine

Ein neues Kniegelenk, Bandscheibenprothesen, Zahnimplantate, Herzschrittmacher und Kunstlinsen – die Liste, was Menschen alles an künstlichen Ersatzkörperteilen in Form von Implantaten in sich tragen, ist lang. Da drängt sich die Vorstellung eines mechanischen Wesens geradezu auf, dessen Komponenten nach Verschleiß problemlos ausgetauscht werden können. Sind wir Maschinen?

Es stimmt, ja: Skelett und Bewegungsapparat sind ein kompliziertes mechanisches System, das mit Ingenieurswissen ausgebessert wird. Systeme wie die Augenlinse stellen kleinste mechanische Strukturen dar, die mit mechanischen Mitteln nachgebildet werden können. Seit einigen Jahren gar wird an Netzhautimplantaten geforscht – lichtempfindliche Chips, die direkt an den Sehnerv angeschlossen sind und deren neueste Entwicklungsstufen Betroffenen die Unterscheidung von groben Formen, von hell und dunkel erlauben. Zahnimplantate schließlich scheinen so sehr im Bewusstsein des modernen Menschen verankert, dass sie für das Prinzip Implantat schlechthin stehen.

Wohlbedachter Einbau

Am Umgang mit Zahnimplantaten zeigt sich aber auch, dass bei der ganzen Sache doch noch andere Dinge mitschwingen. So ganz gefällt es vielen Menschen nicht, einfach nur als Maschine gesehen zu werden. Und trivial ist es in keinem Fall, sich ein Implantat welcher Art auch immer einsetzen zu lassen. Tatsächlich sind kluge Abwägungen angebracht – von Seiten des Arztes wie des Patienten.

Zahnimplantate also: Kauen können, lächeln können, das ist für alle Menschen absolut grundsätzliches Bedürfnis. Da schreckt der Gedanke nicht, dass es für ein wirklich sicher und perfekt sitzendes künstliches Gebiss eben oft das durchaus komplizierte, fehleranfällige Kieferimplantate braucht. Alternativen stehen da im Hintergrund.

Das ist ganz anders gelagert, wenn es um ein künstliches Kniegelenk geht. Wird zu früh implantiert, ist noch so viel Lebenszeit vorhanden, dass das „neue Knie“ im hohen Alter wieder schmerzhafte Probleme bereiten kann. Implantate können sich nicht regenerieren, anders als etwa der natürliche Knorpel. Es kann also besser sein, einige Jahre mit physikalischen Therapien und Schmerzmitteln zuzuwarten.

Arbeiten am Chassis

Doch gibt es Situationen, in denen am Implantat kein Weg vorbei führt. Implantierte Herzschrittmacher und Defibrillatoren sind für Menschen mit schweren Herzrhythmusstörungen oder Kammerflimmern das einzige sichere Mittel zum Überleben. Nach schweren Verletzungen der Wirbelsäule oder bei degenerativen Schäden, die die Integrität der Hauptstütze unseres Körpers gefährden, hilft nur die Implantierung von stabilisierenden Stangen in die Wirbelkörper. Stents zum Offenhalten der Koronararterien können minimalinvasiv und schonend eingesetzt werden. Die Alternative Bypass ist langfristig nicht schlechter fürs Herz – aber eine Bypass-OP vertragen gerade ältere Menschen oft nicht. Stents sind dann für sie die einzige Therapiemöglichkeit. Und wer bei einem Unfall Teile seines Gesichtknochens verliert, wird nicht zweimal über den Ersatz durch künstliche Materialien nachdenken.

Noch einen dritten Weg gibt es, mit Implantaten umzugehen – indem man sie sich freiwillig einsetzen lässt, ohne medizinische Notwendigkeit. Hier tritt der Gedanke vom beliebig veränderbaren Körper wieder zutage. Wie bei einem Auto am Chassis gebastelt wird, können Menschen sich entscheiden, ihren Körper nach ihren Vorstellungen umzubauen. Wer würde sich nicht besseres Aussehen wünschen, zumal die Medien voll sind von all den Möglichkeiten, sich Nase oder Brüste „machen zu lassen“, auf dem kahlen Haupt wieder Haar sprießen zu sehen oder durch kleine diskrete Implantate zu einem markanten Kinn zu kommen. Nur eins sollte jedem klar sein: Jede dieser Veränderungen ist ein medizinischer Eingriff in ein komplexes, empfindliches System, das auch einfach mal sterben kann. Und anders als bei einer Karosserie kann er nicht immer nach Belieben rückgängig gemacht werden. Wir sind eben doch eine ganz besondere Sorte Maschine.

Mike Paßmann
Chefredakteur

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