Reflex-Verlag

Reflex-Verlag Ausgabe 2012/09

Verpackung der Zukunft

Eine Sonderveröffentlichung des Reflex Verlages zum Thema Verpackung der Zukunft

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Inhaltsindex
  • 3
    Leitartikel

    Produktion, Transport, Handel und Konsum von Waren sind erfolgsversprechend und begehrt, wenn auch die Verpackung funktioniert.

  • 5
    Nummer sicher bei Produkten

    Verpackungen sorgen für einen einwandfreien Zustand des Inhalts und sollen das Produkt künftig stärker vor Fälschungen schützen.

  • 6
    Rohstofflieferant Recycling

    Die Recyclingquote in Deutschland ist hoch. Jede siebte Rohstofftonne ist heute ein Abfallprodukt.

  • 8
    Konsum mit Nachhaltigkeitseffekt

    Leichte und ökologisch produzierte Materialien verändern Verpackungen. Ein Trend, der Geld spart und die Umwelt schont.

  • 9
    Sicherheit für Lebensmittel

    Im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung gewinnt die Verpackung als Schutz vor Verderb an Bedeutung.

  • 10
    Verpackungsmaschinen

    Die Anforderungen an Verpackungsmaschinen wachsen. Diese werden immer leistungsfähiger und produzieren immer nachhaltiger.

  • 11
    Feines Drucken

    Die Ultraschalltechnik liefert dichte Nähte auch bei Produktresten in der Siegelzone.

  • 12
    Zauberhafte Etiketten

    Etiketten müssen sich den Produkten anpassen. Nun werden die Kleber auch noch ökologisch.

  • 13
    Edel für das Marketing

    Vom Ploppen des Bieres bis zum Knistern der Tüte: Verpackungen sind multisensorisch erlebbar – sogar im virtuellen Raum.

  • 14
    Innovative Verpackungslösungen

    Weniger ist mehr beim diesjährigen Verpackungspreis. Designer üben sich in Sparsamkeit bei Gewicht, Rohstoffeinsatz und Kosten.

Editorial

Noch  ganz  frisch?

Es ist schon mehr als komisch. Da schlendern Hunderttausende stundenlang durch die Markthallen südeuropäischer Städte – der Urlaub in mediterranen Gefilden mit seinen urbanen Quartieren und Plätzen ist noch frisch im Gedächtnis – und können sich kaum sattsehen an den knackig präsentierten Produkten der Natur wie Obst, Gemüse und Fisch. Der exotische Bummel wird dazu per Fotoklick festgehalten, es werden mehr oder weniger künstlerisch wertvolle Videos gedreht, um die unvergesslichen Momente mit nach Hause zu nehmen. Dabei haben wir vieles von der dort bewunderten Pracht oft direkt vor der eigenen Haustür! Wenn nicht gerade als Angebote auf den Wochenmärkten oder in Markthallen, mindestens doch beim Lebensmittelhändler oder Supermarkt um die Ecke.

Aber wir wissen es längst – allen voran die Marketingstrategen der Produzenten und Händler – so funktioniert Konsum hierzulande nicht. Urlaub ist das eine, Alltag das andere. Wie nach einer geistigen Metamorphose bevorzugen selbst Kunden mit hohem Naturbewusstsein die fein abgepackten Sachen. Wunderbar lose präsentiertes Obst und Gemüse bleibt in Biomärkten unberührt in der Kiste liegen. Besonders in diesem Sortiment würden neuerdings vermehrt Plastikverpackungen verlangt. Tomaten, Feldsalat, Paprika, Peperoni, Champignons, sauber gepresst in Schalen, gingen nach Erfahrung der meisten Biomarktbetreiber besser.

Ein symptomatisches Verhalten, an dem gewisse Schizophrenien des Themas Verpackung deutlich werden. Die Symptome zeigen auch das Dilemma, vor dem Hersteller, Handel und nicht zuletzt die Verpackungsindustrie stehen. Kunden mögen es beispielsweise nicht, wenn andere mit den Fingern an die Ware fassen. Darüber hinaus sollen Etiketten etwas über die Waren aussagen, Verpacktes sei einfacher zu transportieren, es halte sich frischer und vermittele den Eindruck von Hygiene. Et cetera.

Irgendwie verrückt, dass der Kunde einerseits die frische Ware aus der Region begrüßt und nach einem allgemein geäußerten Wunsch danach greifen solle und wolle, damit er nachhaltiger konsumiert. Auf der anderen Seite werden die frischen Produkte noch schnell verpackt, damit Bio draufstehen und die Kassiererin richtig tippt oder scannen kann. Experten rechnen sogar vor, dass Bioobst und Biogemüse im Verhältnis zu konventioneller Ware mehr Verpackungsmaterial verbraucht als das übliche Angebot. So werden Auberginen weiter eingeschweißt, weil sich Kunden über den Etiketten-Klebstoff direkt auf dem Ökoprodukt beschweren.

Vorschläge, als Lösung Folien und Tüten aus Stärke von Mais- und Kartoffelpflanzen zu verwenden, finden keine Zustimmung. Das wäre Herstellung von Verpackungsmaterial aus Nahrungspflanzen. Was in Zeiten der Preisexplosion bei Agrarrohstoffen schon gar nicht geht. Auch die Verhüllung in Recycling-Papier schafft wieder neue

Probleme. Die Rohmasse müsste aufwendig gereinigt werden, bevor sie mit Lebensmitteln in Kontakt kommt. Dem Kunden bliebe hier nur die Wahl zwischen Pest und Cholera!

Es ist vertrackt. Das beschriebene Szenario ist nur ein kleiner Augenblick aus unserer Konsumrealität. Trotz Recycling, in der Regel vieler guter Absichten der Hersteller und bemerkenswerter Innovationen auf dem Gebiet der Verpackung, fehlt es offensichtlich schlicht an Einsicht. Die Lücke in unserem Bewusstsein ist nach wie vor groß. Größer als die Menge an Kunststoffen, die seit Beginn des Plastikzeitalters produziert wurde. Diese reicht bereits aus, um unseren gesamten Erdball sechs Mal in Plastikfolie einzupacken. Empfohlen sei in diesem Kontext der Streifen Plastic Planet. Werner Bootes preisgekrönter Dokumentarfilm könnte das Leben des einen oder anderen Convenience verwöhnten Verbrauchers nachhaltig ändern. Egal ob in Wien, Innsbruck, Tokio, Kalkutta, Los Angeles oder Venedig - die Bilder zeigen schmerzhaft, dass wir ohne Plastik nicht mehr leben können.

Keine Frage: Plastik ist zu einer Bedrohung für Mensch und Umwelt geworden. Möge es der Redaktion gelingen, nicht nur die großen Fortschritte der Hersteller und Händler in Sachen Nachhaltigkeit auf den folgenden Seiten zu preisen. Mögen Leser und Beteiligte auch Anregungen finden, um das eigene Verhalten und Bewusstsein zu überdenken. In Chemie und Verpackung stecken jede Menge Chancen.

Karl-Heinz Möller
Chefredakteur


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