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Reflex-Verlag Ausgabe 2012/08

Leben mit Krebs

Eine Sonderveröffentlichung des Reflex Verlages zum Thema Leben mit Krebs

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Inhaltsindex
  • 3
    Leitartikel Der informierte Patient

    Der informierte Patient
    Krebs wird immer mehr zur individuellen Krankheit. Umso wichtiger ist es, Patienten über ihre Behandlungsmöglichkeiten zu informieren.

  • 4
    Krebse im Bauch

    Krebse im Bauch
    Magen- und Darmkrebs gehören zu den häufigsten Krebsarten. Bei frühzeitiger Erkennung sind die Heilungschancen gut.

  • 5
    Die Zelle im Visier

    Die Zelle im Visier
    Krebszellen sind in der Lage, das Immunsystem auszuschalten. Wie Immuntherapie und Stammzellentherapie Betroffenen helfen können.

  • 6
    Individualisierte Wege erhöhen Heilungschancen

    Individualisierte Wege erhöhen Heilungschancen
    Onkologen setzen zunehmend auf personalisierte Krebsmedizin. Davon könnten unter anderem Brust- und Schilddrüsenkrebspatienten profitieren.

  • 7
    Lungenkrebs wird oft nicht erkannt

    Lungenkrebs wird oft nicht erkannt
    Das Bronchialkarzinom ist eine der wenigen Krebsarten, die auf eine Ursache zurückzuführen ist: Tabakrauch. Die Diagnose ist umso schwieriger.

  • 8
    Prostatakrebs

    Prostatakrebs: Vorsorge entscheidet
    Prostatakrebs bedeutet nicht immer eine Operation. Manchmal ist Beobachten die bessere Option.

  • 10
    Patienten warten dringend auf Forschungserfolge

    Patienten warten dringend auf Forschungserfolge
    Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine tödliche Krankheit. Harmlose Frühwarnzeichen erschweren die Diagnose. Karzinome werden zumeist operativ entfernt.

  • 12
    Brustkrebs kann jeden treffen

    Brustkrebs kann jeden treffen
    Das Mammakarzinom ist die häufigste Tumorart bei Frauen. Doch auch Männer können daran erkranken. Wird früh gehandelt, sind die Heilungschancen gut.

  • 14
    Wenn der Tumor auch die Seele angreift

    Wenn der Tumor auch die Seele angreift
    Psychoonkologische Betreuung ist ein wichtiger Bestandteil der Krebstherapie. auch angehörige brauchen Unterstützung.

  • 15
    Würdevoll leben bis zum letzten Tag

    Würdevoll leben bis zum letzten Tag
    Palliativmedizin gewinnt durch den demografischen Wandel an Bedeutung. Multiprofessionelle Teams geben häuslicher Pflege neue Qualität.

Editorial

Krebs – eine chronische Kranhkeit?


Krebs ist die zweithäufigste Todesursache in Deutsch
land. 215.000 Menschen kostet er derzeit pro Jahr das 
Leben, und die Zahl der Neuerkrankungen steigt von Jahr 
zu Jahr. Früh entdeckt, kann durchschnittlich die Hälfte aller 
Krebserkrankungen geheilt werden, je nach Krebsart sogar 
auch ein deutlich höherer Anteil. Blutkrebs im Kindesalter 
ist ein solches Beispiel – dank besserer Chemotherapien 
werden Heilungsraten von fast 80 Prozent der Betroffenen 
erreicht, im Vergleich zu nur 20 Prozent noch vor 50 Jahren.


Trotz dieser Fortschritte bleibt dennoch eine entscheidende 
Hürde bestehen: Hat der Tumor erst einmal im Körper gestreut, 
ist eine Heilung nur schwer möglich. Diese Erkenntnis hat in 
den letzten Jahren eine Neuorientierung angestoßen, die sich 
auf drei Ansätze in der Krebsmedizin konzentriert: Früherken
nung, Individualisierung der Therapie und die Verhinderung 
erneuten Tumorwachstums nach der Erstbehandlung.


Dabei hat sich einiges getan: Gesetzlich geregelte Früherken
nungsprogramme existieren mittlerweile für Gebärmutterhals
krebs, Darm-, Brust-, Prostata- und Hautkrebs. Die Teilnahme 
ist freiwillig und hängt von vielen Faktoren ab: vom eigenen 
Wissen um die Chancen und Risiken der Untersuchung, vom 
Zugang zur entsprechenden Information und Beratung, von der 
Untersuchung selbst und von emotionalen Faktoren. Eine aktu
elle Studie zeigt zum Beispiel, dass ein nationales Vorsorgepro
gramm – wie es in Deutschland seit zehn Jahren besteht – die 
Erkrankungs- und Todeszahlen von Darmkrebs im großen 
Maßstab senken kann: Bei jeder fünften Darmspiegelung im 
Rahmen eines Screenings finden Ärzte bei ihren Patienten so
genannte Adenome, gutartige Gewebewucherungen, die sich in 
bösartige Tumoren verwandeln können. Allerdings wird aus der 
Studie auch deutlich, dass nur jeder sechste Bundesbürger die 
Darmspiegelung als Vorsorgeleistung in Anspruch nimmt. Um 
die Nutzung der bestehenden Angebote zu steigern, braucht es 
eine Änderung des Nutzungsverhaltens. Dabei helfen ein verän
dertes Bewusstsein in der Bevölkerung, effiziente Einladungs
verfahren, geschulte Ärzte und die richtige Kommunikation.


Zur Verbesserung in der Krebstherapie trug in den letzten 
Jahren vor allem die individualisierte Therapie bei. In einigen 
Fällen ist es bereits jetzt schon möglich, mithilfe geeigneter 
Biomarker diejenigen Patienten zu identifizieren, bei denen 
eine bestimmte Behandlung voraussichtlich besonders gut 
anschlagen wird. Eine deutliche Verbesserung in der Behand
lung des Darmkrebses brachte zum Beispiel die Entdeckung, 
dass das KRAS-Gen ein Marker für das Therapieanspre
chen ist. Darmkrebspatienten, deren Tumor gestreut hat, 
nützt die gezielte Behandlung mit einem EGFR-spezifischen 
Antikörper vor allem dann, wenn das KRAS-Gen in ihrem 
Tumor keine Mutation aufweist. Ein Gentest kann auf die
se Weise einigen Patienten eine unwirksame Behandlung 
und die damit verbundenen Nebenwirkungen ersparen.


Ob der Patient vom Fortschritt in der Krebsmedizin profitiert, 
hängt aber nicht nur von der Wissenschaft selbst ab. Wir 
brauchen auch die geeigneten Strukturen, um die medizinischen 
Erfolge zu den Betroffenen zu transportieren und eine qualita
tiv hochwertige onkologische Versorgung sicherzustellen. Zu 
den Erfolgsfaktoren gehört die interdisziplinäre Kooperation 
verschiedener Fachrichtungen. Nur wenn Experten aus den ver
schiedenen Fachbereichen eng zusammenarbeiten, gelingt eine 
optimale Versorgung der Patienten. Um flächendeckend eine 
vergleichbare Behandlungsqualität zu schaffen, bedarf es au
ßerdem entsprechender Qualitätsvorgaben und einer Qualitäts
sicherung, die den aktuellen Behandlungsleitlinien folgt. Dazu 
gehört auch, dass der Patient im Bedarfsfall über die rein me
dizinische Versorgung hinaus psychoonkologisch betreut wird.


Es wäre sicher utopisch zu glauben, dass wir den Krebs in 
naher Zukunft besiegen – nicht jede zielgerichtete Therapie 
führt automatisch zum Erfolg. Aber auf bestimmten Gebie
ten werden sich sicher Verfahren etablieren, die spezielle 
Krebserkrankungen heilen oder zumindest das Überleben 
bei verbesserter Lebensqualität verlängern können.


Professor Dr. Wolff Schmiegel 

Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft e.V.


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