Reflex-Verlag

Reflex-Verlag Ausgabe 2012/06

Klimaschutz

Eine Sonderveröffentlichung des Reflex Verlages zum Thema Klimaschutz

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Inhaltsindex
  • 4
    Leitartikel Klimaschutz

    Konzepte für eine bessere Welt
    Strom aus Sonne und Wind, Mobilität ohne Emissionen. Details der Umsetzung sind noch nicht festgelegt – doch sie gehen jeden etwas an.

  • 5
    Grüne Industrielandschaften

    Industrie setzt auf Nachhaltigkeit
    Entwicklungen in der Fertigung und beim Konsum werden immer umweltfreundlicher. Der „Product Carbon Footprint“ liefert wichtige Informationen.

  • 7
    Umwelt gut verpackt

    Kein Abfall, sondern ein Wertstoff
    Wiederverwertung von Materialien spart Energie und schont die Umwelt. Beim Recycling von Aluminiumverpackungen ist Deutschland Europameister.

  • 8
    Netzwerke für Strom

    Neue Netze braucht das Land
    Der Anteil erneuerbarer Energien steigt rasant. Experten sind uneins, wie viel neue Kilometer Überlandleitungen die Systemwende benötigt.

  • 9
    Power durch Regeneration

    Ökostrom auf dem Vormarsch
    Bis 2020 könnte rund die Hälfte der produzierten Energie aus regenerativen Quellen erzeugt werden.

  • 9
    Plädoyer für Biogas

    Diskriminierung eines regenerativen Energieträgers
    „Keine Anreize für Bio-Erdgas als Heizenergie“

  • 10
    Grüne Kraftstoffe

    Mit gutem Gewissen sparen
    Wer sich für grüne Kraftstoffe entscheidet, leistet einen Beitrag zur Erreichung der EU-Klimaziele – und schont gleichzeitig seinen Geldbeutel.

  • 11
    Energiewende regional

    Konsequent klimaneutral
    CO2-neutraler Paketversand wird zum Standard.

  • 13
    Ökohäuser auf dem Vormarsch

    Saubere Lösung
    Biosprit statt unkonventionelles Öl.

  • 15
    Messen und Veranstaltungen

    Klimaschutz muss von unten kommen
    Der Klimawandel ist nicht mehr aufzuhalten. Städte, Kommunen und die Bevölkerung sind an der Reihe.

Editorial

180 Grad bitte!

Vieles geht so leicht über die Lippen: Energiewende vollziehen, mehr Strom aus Sonne, Wind und Wasser erzeugen, Effizienz steigern, Wärmeverluste minimieren, Mobilität per Elektroautos erhalten, Verpackungen ein- sparen, Papierverbauch senken, Recyclingquote erhöhen, frische regionale Produkte einkaufen, weniger Fleisch essen, ethisch Geld anlegen, et cetera pp. Und es wird sehr viel über Klima und andere Katastrophen geplappert und palavert! Aber ist das nicht großartig? Mahner und Vordenker haben damit eines geschafft: Es entsteht hierzulande eine heftige Streitkultur um die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Es kommt noch besser: Ob am Arbeitsplatz, in der Familie oder beim Stammtisch, die Diskussion gewinnt an Qualität!

Mögen die Motive auch manchmal so unterschiedlich sein wie die Meinungen. Politiker wollen gefallen. Unternehmer korrekt dastehen. Bürger stolze Vorturner sein. Vor allem ist grün schick und hipp. Der SUV fährt mit Hybridantrieb vor, der Berggasthof ist ein Passivhaus, das Klamottenlabel ist zertifiziert, die Flugkilometer in den Urlaub werden mit CO2-Zertifikaten abgegolten, im Ferienclub hängen dutzende Qualitätssiegel für nachhaltigen Lifestyle. Sei es drum, das ist alles besser als nichts zu tun.

Sogar dort, wo man einen größeren Anteil an Ignoranten vermutet, breitet sich der Bazillus „Pro Klima“ aus. Bereits auf 116 deutschen Golfplätzen wird das Programm „Golf und Natur“ umgesetzt. Es gibt Flora-Fauna-Gutachten, der Einsatz von Pestiziden wird reduziert oder abgeschafft, den Rasenschnitt teilen sich die Greenkeeper mit Schafen und Ziegen, für die Berieselung wird möglichst viel Brauchwasser eingesetzt.

Nun sind großen Fragen der Klimaveränderung und die damit verbundenen Herausforderungen nicht auf den Fairways zu lösen. Aber es zeigt sich überall, dass den Worten auch Taten folgen. Zumindest hierzulande. Und vornehmlich nicht in den überstrapazierten Ausschusssitzungen, den endlosen Meetings oder medial inszenierten Gipfeltreffen, die eher den Eitelkeiten der Teilnehmer, denn dem Kern der Sache dienen. Es scheint so, als ob der Klimaschutz und die Gedanken, wie er umzusetzen ist, an der Basis angekommen sei.

Hauptsache ist, dass alle an einem Strang ziehen. Aber ziehen auch alle in die gleiche Richtung? Niemand hat es beispielsweise für möglich gehalten, dass die Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen so groß sein würde, wie in den vergangenen drei Jahren. Politiker und Ökonomen haben sich hier um das Siebenfache verschätzt. Dieser Boom hat etwas mit der staatlichen Förderung zu tun. Aber nicht nur. Dahinter stecken Überzeugung und der Wille zur Veränderung an der Basis. Denn trotz der drastischen Eingriffe und des Salto rückwärts der Regierung zeigen die Reaktionen: Interesse und Nachfrage der Bürger nach Sonnenenergie und Photovoltaik-Anlagen bleiben auf hohem Niveau. Die Menschen wollen die Energiewende herbeiführen. Sie haben genug vom Lavieren, Taktieren und dem Gezocke der Beteiligten.

Die Mehrheit hierzulande weiß, dass es Zeit wird. Ein Blick über den Zaun macht deutlich, an welchem Punkt die Welt angekommen ist. Der zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen IPCC analysiert in seinem Bericht die regionalen Folgen des Klimawandels. In Afrika könnten schon bis zum Jahr 2020 bis 250 Millionen Menschen aufgrund der Klimaänderung unter zunehmender Wasserknappheit leiden. In Zentral-, Süd-, Ost- sowie Südostasien wird bis zu den 2050er Jahren vor allem in großen Flusseinzugsgebieten ein Rückgang des verfügbaren Süßwassers vorhergesagt. Das Risiko zunehmender Meeres- und Flussüberflutungen wird erheblich steigen. Für Lateinamerika wird bei weiterem Anstieg der Temperaturen im östlichen Amazonien bis zur Mitte des Jahrhunderts eine allmähliche Umwandlung tropischer Wälder in Savannen vorausgesagt. Durch den Klimawandel besteht für viele tropische Gebiete Lateinamerikas das Risiko eines signifikanten Verlusts an biologischer Vielfalt. Den Inselstaaten der Karibik und des Pazifik führt der Anstieg des Meeresspiegels voraussichtlich zu einer Verstärkung von Überschwemmungen, Sturmfluten, Erosion und anderen Küstengefahren. Lebensnotwendige Infrastruktur sowie Siedlungen und Einrichtungen, die den Lebensunterhalt der Inselbewohner absichern, sind existenziell gefährdet.

Und vor der eigenen Tür? Die Zahl verheerender Stürme, Regenfälle und anderer wetterbedingter Katastrophen hat sich in Deutschland seit den 70er Jahren mehr als verdreifacht – und wird auch in Zukunft zunehmen. Die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft Munich Re hat auf dem Extremwetterkongress entsprechende Daten veröffentlicht. Ergebnis: Für die nächsten 30 Jahre rechnen Klimamodelle in Deutschland vor allem mit einer Zunahme der Sturmintensität und mit mehr Starkniederschlägen, die zu Überschwemmungen führen. Der Deutschen Wetterdienstes DWD geht davon aus, dass die Zahl heißer Tage, die Starkniederschläge und die Anzahl der Winterstürme um bis zu 50 Prozent zunehmen.

Ohne den Klimawandel sei dies nicht zu erklären. Veränderungen in der Atmosphäre trügen einen wesentlichen Anteil daran, dass mehr Wetterextreme auftreten, konstatieren deutsche Klimaforscher. Experten sehen nur noch ein kleines Zeitfenster von einigen wenigen Jahrzehnten, um die Kehrtwende zu schaffen. Nach Duden heißt Wende ‚Drehung‘, aber auch ‚Turnübung‘. Möge die Energiewende keine lasche Turnübung der Politiker bleiben oder eine 360-Grad- Drehung sein, sondern eine Kehrtwende: 180 Grad bitte!

Karl-Heinz Möller
Chefredakteur

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