Reflex-Verlag

Reflex-Verlag Ausgabe 2012/05

Stress

Eine Sonderveröffentlichung des Reflex-Verlages zum Thema Stress

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Inhaltsindex
  • 3
    Stress ist kein Schicksal

    Hektik, zu viel Arbeit, Sorgen – für viele Menschen gehört „Stress“ zum Alltag. Doch es ist möglich, ihm zu entfliehen und leistungsfähig zu bleiben.

  • 4
    Kraft tanken und Stressfaktoren meiden

    Zeitmanagement und ein gesundes Mittelmaß zwischen an- und Entspannung beugen Stress vor. Wichtig ist, achtsam zu sein und in sich hinein zu hören.

  • 5
    Wie sich Stress von seinen zwei Seiten zeigt

    Stress kann sich positiv und negativ auf den Körper auswirken. Während Eustress den Körper stärkt, schwächen lange Disstressphasen den Organismus.

  • 6
    Gegen Stress ist nicht nur ein Kraut gewachsen

    Ob mittels Entspannungstechniken, psychologischer Hilfe oder Selbstmedikation: Für Stressgeplagte bieten sich zahlreiche Behandlungsformen.

  • 8
    Die besten Mitarbeiter sind fit und zufrieden

    Gezielte und nachhaltige BGM-Strategien verbessern das Betriebsklima, steigern die Motivation und führen zum Erfolg. Eine Win-Win-Gleichung.

  • 10
    Nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel

    Die Arbeitswelt hat sich extrem verändert. Prekäre Verhältnisse, Überstunden und ständige Verfügbarkeit erzeugen Stress.

  • 12
    Sport verdrängt Stress in den Hintergrund

    Viel Bewegung ist ideal, um Stress zu umgehen. Egal, ob beim Yoga oder Joggen: Es ist wichtig, Spaß zu haben und achtsam in sich hineinzuhören.

  • 12
    So gönnen Sie Ihrem Körper eine Pause

    Entspannungsübungen helfen bei akutem Stress am Arbeitsplatz. Sie machen den Kopf frei und geben Energie für neue Aufgaben.

  • 13
    Essen gegen den Stress

    Eine gesunde Ernährung steigert die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit und wirkt den Begleiterscheinungen von Stress entgegen.

  • 14
    Von Familienmanagerinnen und Freizeitgeplagten

    Stress im Büro ist allgemein anerkannt. Aber er kann auch in der Familie, durch Freunde und zu wenig Muße entstehen.

  • 15
    Stress unter der Lupe

    Wie mit einfachen Tests die nervliche Dauerbelastung ermittelt und das Stressverhalten gesteuert werden kann.

Editorial

Öfter mal durchatmen
Das Telefon im Dauerklingelmodus, drei Kollegen, die was wollen, jede Menge Termine und dann ruft auch noch der Chef. Stress pur und eigentlich nicht zu schaffen, doch Millionen von Arbeitnehmern beschreiben ihren täglichen Job genau so. Und nach Büroschluss wird ́s nicht besser. Statt Entspannung daheim steht Freizeitstress auf dem Programm. Leistungssport im Fitnesscenter, Extrem-Wellness am Wochenende, „zauberhaft“ intensive Kurztrips und Schuften im Garten. Ganz zu schweigen von dem ganzen Sozialstress, der heute nicht mehr auf Partys, sondern auf Facebook und Co. stattfindet. Und wer sich nebenher oder in Vollzeit um die Familie kümmert, der weiß, wie anstrengend Kinder sind. Da gerät der Einkauf mit zwei kleinen Kindern schon mal zum Horrortrip.

Zumal, wenn zum ganz normalen Alltagswahnsinn noch finanzielle Engpässe, Krankheiten oder persönliche Sorgen kommen. Dass da immer mehr Menschen ihr Dasein als einzigen großen Stresstest empfinden (den sie meistens nicht bestehen), verwundert nicht. „Ich bin im Stress!“ – fast schon eine normale Erwiderung auf die Frage, wie es denn so gehe.

Zugegeben: Vieles im Leben kommt eher unkontrolliert auf uns zu, und wir müssen uns den Anforderungen eben stellen. Und natürlich kann ein Arbeitgeber von seinen Mitarbeitern ordentlich Leistung verlangen. Aber muss deshalb gleich von Flensburg bis Passau, von Aachen bis Schwerin die Stressdoktrin gelten? Schon Schüler beklagen, sie kämen mit all den Dingen nicht mehr zurande, die von ihnen verlangt werden. Eltern schreien ihre Kinder an, Abteilungsleiter stehen hilflos (oder verständnislos) vor überforderten Mitarbeitern, die BfA versorgt immer mehr Frührentner, seit Jahren vergeht keine Woche ohne mediale Beiträge zum Thema Burn-out. Und alle finden das irgendwie normal.

Dabei zeigt sich gerade am Thema Burn-out, wie verrückt die Lage ist. Denn oft steht hinter dem Modewort schlicht die Diagnose Depression, häufig verursacht durch zu viel Arbeit, dem Gefühl, nicht mehr Herr seines Lebens zu sein. Aber ansprechen können wir das Problem nur, indem wir wieder einen leistungsbesetzten Ausdruck benutzen. Denn wer „Burn-out hat“, muss ja vorher ordentlich rangeklotzt haben.

Was nur bedeutet, dass viele von uns einen falschen Umgang mit dem Thema Leistung haben. Egal, ob als Arbeitnehmer, Arbeitgeber oder als Privatmensch. Für sie bedeutet Leistungsfähigkeit immer noch das Erledigen möglichst vieler Dinge, am besten alle zugleich und mit stets optimalen Ergebnissen. Ohne dass man ihnen etwas ansieht. Mit einem feinen Lächeln im Gesicht und perfekt sitzender Frisur

So klappt das aber nicht. Wir wollen gar nicht dran denken, was das auf Dauer für Wirtschaft und Gesellschaft bedeutet. Stressgeschädigte sorgen höchstens im Gesundheitswesen für Umsatz. Unser langes Leben nützt uns nichts, wenn wir uns die letzten drei Jahrzehnte mit hohlem Blick vom Wahnsinn der Jahre zwischen 30 und 50 erholen.

Und ein kulturelles Klima, in dem niemand mehr durchatmen kann, in dem sich alle von äußeren Ansprüchen und inneren Sorgen auffressen lassen, verdient diesen Namen nicht. Wer wollte schon in einer solchen Welt leben?

Es gibt Hoffnung. Stress kann vorgebeugt werden, durch organisatorische Maßnahmen und durch innere Einstellungen. Durch vernünftigen Sport, vernünftige Ernährung und einsichtsvolle Verantwortliche – in Unternehmen ebenso wie in den Familien. Irgendwann muss sich doch zum Beispiel die Erkenntnis, dass nachhaltigeres und ein wenig entspannteres Wirtschaftswachstum nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Stabilität der Bilanz gut ist, auf breiter Basis durchsetzen. Und irgendwann müssen doch die Menschen wieder sehen, dass ab und zu ein Abend ganz ohne Social Network, Fernsehen und zu viele Freunde, dass ein Kindernachmittag ohne zweimal Ballett und einmal Reiten erst wieder so richtig Kraft geben kann, am nächsten Tag durchzustarten. In diesem Sinne: Lassen Sie das Telefon beim nächsten Klingeln einfach klingeln. Atmen Sie stattdessen mal richtig durch. Nur keinen Stress!

Mike Paßmann 
Chefredakteur

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