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Reflex-Verlag Ausgabe 2012/04

Smart Grid

Eine Sonderveröffentlichung des Reflex-Verlages zum Thema Smart Grid

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Inhaltsindex
  • 3
    Intelligente Technik für eine sichere Zukunft

    Deutschland hat die Chance, zum weltweiten Technologieführer für Smart Grids zu avancieren. Die Energiewende erhöht die Wahrscheinlichkeit.

  • 4
    Stromzähler als Sparschwein und Datenkrake

    Smart Meter geben Haushalten wie Betrieben detaillierte Einblicke in ihren Stromverbrauch. Böse Überraschungen am Jahresende ausgeschlossen.

  • 4
    Integration: Schlaue Zähler für das Netz

    Smart Meter sind Knotenpunkte einer künftigen Strominfrastruktur. Nicht nur für ein intelligentes Netz, sondern für die Erneuerung des Energiemarkts.

  • 6
    Die Energiewende wird zum Konjunkturmotor

    Zum Umbau der Stromversorgung sind gigantische und vielfältige Investitionen nötig. Etliche Branchen werden profitieren.

  • 6
    Netzausbau: Ökostrom sucht Anschluss

    Der Windstrom braucht neue Leitungen, um zu den Kunden zu finden. Doch genau hier kommt die Energiewende nicht voran. Gesetze sollen helfen.

  • 8
    Die Zukunft ist erneuerbar

    Der Umbau zu einer grünen Stromversorgung ist eine Herkulesaufgabe. Doch Deutschland zeigt sich stark. Ein Fünftel wird bereits regenerativ erzeugt.

  • 10
    Software für das intelligente Netz

    Was wären Computer ohne Software? Auch ein intelligentes Stromnetz kann nur so clever sein, wie die Programme, die es steuern.

  • 12
    Gefragt ist Strom aus der Konserve

    Die Bundesregierung will mit einem Gesetz die Investitionen in Speichertechnologien ankurbeln. Aber auch die Forschung ist gefordert.

  • 13
    Power to Gas: Windstrom im Erdgas-Bunker

    Als Gas verpackt, lässt sich Windenergie im Erdgasnetz horten. Die Technik könnte die Speichersorgen der Energiewende auf einen Schlag lösen.

  • 14
    Verteilnetze: Engpass auf den Landstraßen

    Neben den Stromautobahnen verlangen die erneuerbaren Energien vor allem nach einem Ausbau einer intelligenten dezentralen Infrastruktur.

  • 15
    Kühle Intelligenz gegen heiße Drähte

    Wer das Netz vor Ausfällen bewahren will, muss künstliche Intelligenz einziehen lassen. Vielversprechende technologische Bausteine gibt es bereits.

Editorial

Smart Grids made in Germany

Die Energiewende ist beschlossene Sache. Deutschland hat sich damit einer gewaltigen Herausforderung gestellt. Wie genau das Jahrhundertprojekt zu bewältigen ist, darüber treten nun Experten in einen Wettstreit um die besten Lösungen, Konzepte und Erfindungen.

Die Latte liegt hoch: Deutschlands Stromnetze sind heute extrem zuverlässig. Statistiker verbuchten in den vergangenen Jahrzehnten im Schnitt pro Jahr gerade einmal 16 Minuten Stromausfall. Das ist Europarekord. Und so soll es bleiben.

Doch das geht nur mit einer neuen Infrastruktur. Deutschland ist die erste Industrienation, die eine derart radikale Umstellung der Stromversorgung auf erneuerbare Ressourcen wagt. Wir müssen – oder dürfen – also an vielen Stellen mit neuen Technologien Pionierarbeit leisten.

Die Energiewende wird damit zur doppelten Chance. Auf der einen Seite stehen die ökologischen Aspekte. Schon heute liefern Wind, Sonne, Wasser oder Biomasse ein Fünftel des Stroms. Und mit jeder weiteren Kilowattstunde verringert sich die Abhängigkeit von Rohstoffimporten und der Ausstoß von klimaschädlichem CO2. Mit dem Ausstieg aus der Kernkraft reduzieren wir zudem die Risiken von atomaren Unfällen.

Auf der anderen Seite zeigen Unternehmen in Deutschland wie die Stromversorgung der Zukunft aussehen kann. Der Megatrend Energiewende wird zur Megachance der exportabhängigen deutschen Industrie. Das gilt nicht nur für die Anlagen zur Erzeugung von erneuerbaren Energien, das gilt auch für ein modernes Stromnetz, das künftig noch viel höheren Anforderungen gewachsen sein muss. Es muss den Strom von den Offshore-Windparks in der Nord- und Ostsee abholen, es muss überschüssige Windkraft über Stromautobahnen vom Norden in den Süden treiben und es muss schließlich auch in jeder einzelnen Region die dezentrale Erzeugung mit dem Bedarf in Einklang bringen.

Wer sich einmal mit der Energiewende befasst hat, weiß: Deutschland braucht neue und smarte Netze. Nur wenn das Netz mitdenkt, kommt der saubere Strom auch zuverlässig beim Verbraucher an. Dabei ist der Netzausbau eine Gleichung mit vielen Variablen. Je mehr in die Intelligenz investiert wird – je leistungsfähiger es also wird – desto weniger neue Netzkilometer müssen verlegt werden. Speichertechnologien sind ein weiterer Faktor, der die Algebra der neuen Infrastruktur entscheidend mitprägen wird.

Viele Entscheidungen müssen in Deutschland getroffen werden, die dem einen oder anderen nicht schmecken werden. Wer will schon die Masten und Leitungen hinter seinem Haus haben oder quer durch seine Lieblingslandschaft gezogen sehen? Wer andererseits will dafür geradestehen, wenn die unsichtbaren Erdkabel im Vergleich zu den Freileitungen das Neunfache kosten?

In den kommenden zwei Dekaden kommen auf Deutschland Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe für den Bau von Leitungen, Speicher- und Reservekraftwerken sowie Effizienztechnik aller Art zu. In Europa müssen der EU-Kommission zufolge 45.000 Kilometer Stromleitungen modernisiert und neu verlegt werden. Wäre es ein einziges Kabel, es ließe sich einmal um den Äquator spannen. Für die Modernisierung von Verteil-, Übertragungs- und Supernetz werden insgesamt 600 Milliarden Euro erforderlich.

Diese Zahlen zeigen: Smart Grid steht nicht nur für eine neue Technik, es steht auch für einen neuen Markt mit enormem Wachstumspotenzial. Die Energiewende ist kein europäisches, sondern ein globales Phänomen. Nicht nur Deutschland, auch andere Länder investieren in Smart Grids.

Die Energiewende lehrt uns endgültig, dass der Strom nicht einfach aus der Steckdose kommt, sondern künftig mehr denn je eine High-Tech-Leistung unserer Volkswirtschaft ist und die Qualität der Versorgung unsere Zukunft maßgeblich mitbestimmen wird. Deshalb müssen wir jetzt die Diskussionen führen über das Energiesystem mit dem wir leben wollen.

Der Strom soll sicher, der Strom soll sauber, der Strom soll billig sein. Ohne abgestimmtes Vorgehen beim Netzausbau, ohne Klarheit über die Ziele und ohne politische Weitsicht wird sich die Energiewende zu einem unnötig kostspieligen Unterfangen entwickeln. Nur wenn Deutschland zuhause die Energiewende weitgehend reibungslos vollziehen kann, werden die vollen Chancen im Export der Technologien zu nutzen seien.

Denn Smart Grids made in Germany – sie könnten der neue Exportschlager werden, mit dem sich deutsche Ingenieure und Techniker weltweit einen Namen machen werden.

Michael Gneuss 
Chefredakteur

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