Reflex-Verlag

Reflex-Verlag Ausgabe 2012/03

Wirbelsäule und Rücken

Eine Sonderveröffentlichung des Reflex Verlages zum Thema Wirbelsäule und Rücken

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Inhaltsindex
  • 3
    Rückenschmerzen: Kein Schicksal

    Acht von zehn Deutschen leiden unter Rückenschmerzen.
    Die Ursachen sind vielfältig, die Folgen immer schlecht für die Lebensqualität. Doch die Medizin weiß Abhilfe.

  • 4
    Stange im Rücken

    Manchmal ist eine OP das wirkungsvollste Mittel bei schweren Erkrankungen und Schädigungen der Wirbelsäule.

  • 6
    Geniale Architektur vom Atlas bis zum Steißbein

    Die Wirbelsäule ist ein Wunderwerk. Wirbel, Bänder und Muskeln ermöglichen den aufrechten Gang und schützen das Gehirn vor Schäden.

  • 7
    Rausfinden, warum es schmerzt

    Für die genaue Diagnose von Rückenschmerzen steht eine große Bandbreite an Methoden und Instrumenten bereit.

  • 8
    Alle sagen: „Isch hab Rücken!“

    Rückenschmerzen sind eine echte Volkskrankheit. Die Auslöser und Behandlungsmaßnahmen sind extrem vielfältig.

  • 9
    Wenn einem die Seele in den Rücken fällt

    Wenn keine organischen Ursachen für Rückenleiden gefunden werden, sollte die Psyche unter die Lupe genommen werden.

  • 10
    Dynamische Rücken kennen keinen Schmerz

    Bewegung hilft Rückenbeschwerden vorzubeugen. ratsam ist eine Mischung aus regelmäßigem Sport und einem ergonomischen Umfeld.

  • 11
    Ergonomische Büros halten Mitarbeiter in Schwung

    Unternehmen fördern die Gesundheit der Belegschaft. Moderne Büromöbel verhindern stundenlanges monotones Sitzen.

  • 13
    Damit nach dem Schmerz nicht vor dem Schmerz ist

    Gezielte Reha hilft, nach Rückenerkrankungen schnell zu genesen. Physiotherapie und Rückenschulen setzen auf Muskelaufbau.

Editorial

Sich einfach mal gerade machen ist gar nicht so schwer
Es ist wirklich ein Kreuz! Rund 80 Prozent der Bevölkerung sind im Laufe ihres Lebens mindestens einmal von Rückenleiden betroffen. Was bei vielen Menschen aber nur ab und zu auftritt, ist bei bis zu acht Millionen Deutschen chronisch. Weltweit sind Rückenschmerzen der häufigste Grund für einen Arztbesuch und die Ursache Nummer Eins bei Arbeitsausfällen. Der volkswirtschaftliche Schaden ist enorm und bewegt sich in zweistelliger Milliardenhöhe. 

Das Dilemma: So häufig, wie Rückenerkrankungen auftreten, so vielfältig, komplex und schwer diagnostizierbar sind sie auch. Die Ursachen sind ebenfalls sehr individuell. Mal sind es akute und heftige Symptome, die von allein wieder verschwinden. Häufig spielen auch Stress und seelische Probleme eine Rolle. Und manchmal ist es bloß unser Schmerzgedächtnis, das uns einen Streich spielt.

Mit der Moderne kamen Bewegungsmangel und Fehlhaltung
Der Rücken ist unser Gerüst, unser Pfeiler, der alles trägt – und erträgt. So merkt er sich jede Joggingrunde, jede schwere Schlepperei, jede Überstreckung durch Gymnastik, jedes Hüpfen und Springen. So weit – so gesund. Denn mit den meisten Belastungen kommt der Rücken wunderbar zurecht. Nein, sein „Problem“ ist ein ganz anderes: Er wird nicht genügend bewegt. Je weniger die Muskulatur durch körperliche Aktivitäten gestärkt wird, desto höher ist das Risiko von Rückenbeschwerden. Da entgleitet die Bandscheibe, der Ischiasnerv ziept und der Hexenschuss legt uns lahm. Die vielen technischen Fortschritte haben unser Leben auf vielen Ebenen vereinfacht. Doch mit allem Komfort verschwinden auch die Bereitschaft und die Notwendigkeit, sich physisch zu betätigen. Wir gehen morgens aus dem Haus, steigen ins Auto, fahren zur Arbeit, gehen ein paar Schritte vom Parkplatz ins Büro. Am Arbeitsplatz sitzen wir meist auf Stühlen, die nicht gerade orthopädisch auf die individuellen Bedürfnisse unseres Rückens eingestellt sind. Wir lassen die Schultern hängen, strecken unsere Nacken dem Bildschirm entgegen.

Die Folge: Die Rückenmuskulatur wird faul und bequem. Und gewöhnt sich an eine ungesunde Fehlhaltung. So kommt es zu Schmerzen im Kreuz, dem unteren Lendenwirbel, dem Rückgrat. Um diese zu kompensieren, nehmen wir eine Schonhaltung ein, die wiederum fatale Folgen haben kann. Ein Teufelskreis aus Fehlhaltung und Gegensteuern entsteht. Was uns trägt – unser Fundament und Gerüst – wird schwächer, verkrümmt sich und verkümmert.

Was können wir „Bürohengste“ tun?
Da hilft nur eins: Bewegung, Bewegung, Bewegung! Einst wurde bei akuten Rückenschmerzen Bettruhe verordnet. Die Zeiten sind vorbei. Längst haben Mediziner erkannt, dass neben medikamentöser Behandlung, wie zum Beispiel durch nichtsteroidale Antirheumatika, dem Rücken nichts so sehr hilft wie Aktivität. Natürlich sollte der Patient nicht überfordert werden. Der behandelnde Arzt muss ermessen, inwieweit der Betroffene belastbar ist. Vielleicht hilft ihm Schwimmen, vielleicht Joggen oder Radfahren oder auch „nur“ regelmäßige Spaziergänge.

Doch wie bei so vielen Volkskrankheiten ist auch bei Rückenbeschwerden die Prävention von enormer Wichtigkeit. Bewegung in seinen Alltag zu integrieren ist in der Tat schwierig für „Bürohengste“, die den ganzen Tag an ihren Sitzplatz gefesselt sind. Allerdings werden heute so viele Techniken der Bürogymnastik in diversen Magazinen propagiert, dass keiner mehr unbedingt schief angeguckt wird, wenn er zwischendurch vom Stuhl aufsteht und ein paar Rückenübungen macht. 

Dass wir heute weder vor Säbelzahltigern davonrennen, noch unsere erlegte Beute in die Höhle schleppen müssen, ist klar. Doch lassen sich viele Maßnahmen in unser tägliches Treiben einbauen, die unserem Rücken gut tun. Dazu gehört, sich kleine Routinen zu verordnen, wie zum Beispiel: mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, die Treppe dem Fahrstuhl vorzuziehen oder auch, nicht mehr im Sitzen zu telefonieren, sondern dabei aufzustehen und ein paar Schritte zu gehen. Der Rücken merkt sich eben alles: das, was ihn schwächt und ihm Schmerzen bereitet. Aber auch das, was ihm Kraft gibt und ihn aufrichtet.

Mike Paßmann 
Chefredakteur

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