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Reflex-Verlag Ausgabe 2012/02

Leben mit Krebs

Eine Sonderveröffentlichung des Reflex Verlages zum Thema Leben mit Krebs anlässlich des Weltkrebstages

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Inhaltsindex
  • 3
    Kein Todesurteil

    Neue Durchbrüche in der Diagnose und Therapie nehmen dem Krebs immer öfter den Schrecken – und retten immer mehr Leben.

  • 4
    Vorbeugen ist besser als heilen

    Eine gesunde Lebensweise kann das Krebsrisiko erheblich reduzieren. Elementar sind viel Bewegung und eine ausgewogene Ernährung.

  • 5
    Dem Tumor ganz gezielt auf den Leib rücken

    Durch die Präzision heutiger Strahlentherapien reduzieren sich nebenwirkungen und die Heilungschancen werden erhöht.

  • 6
    Mit Hightech und Forschung gegen Tumoren

    Der Kampf gegen den Krebs ist längst zum Versuchsfeld innovativer Technologien geworden. Das Ziel ist so viel Präzision wie möglich.

  • 9
    Tückische Krankheit Lungenkrebs

    Das Bronchialkarzinom wird oft zu spät erkannt. Die Risikofaktoren sind zwar bekannt, die Symptome allerdings unspezifisch.

  • 10
    Zielgerichtet geht es Krebszellen an den Kragen

    neue hochwirksame Medikamente verbessern die Krebsheilungschancen. Grundlage ist ein breites Spektrum an Analysemethoden.

  • 11
    Rettende Strahlung

    Die Strahlentherapie gehört zu den Säulen der Krebstherapie. Präzise eingesetzt, wirkt sie von außen wie von innen.

  • 12
    Brustkrebs frühzeitig und sicher aufspüren

    Das Mammakarzinom ist die häufigste Tumorart bei Frauen. Dank Früherkennung und gezielter Diagnostik sind die Heilungschancen gut.

  • 13
    Drei Säulen im Kampf gegen Brustkrebs

    Auf den Schock folgt oft die Angst vor der Therapie. Moderne, innovative Maßnahmen versprechen eine schonende Behandlung.

  • 14
    Urologie – nicht nur für Männer

    Urologische Krebserkrankungen betreffen die Ausscheidungsorgane beider Geschlechter.

  • 15
    Wenn der Krebs den Kopf angreift

    Sogenannte Kopf-Hals-Karzinome können im gesamten Mund- und Rachenraum entstehen. Früherkennung ist das A und O.

Editorial

Krebs – eine wachsende Herausforderung

Die Weltgesundheitsorganisation prognostiziert zwölf Millionen Krebstote weltweit für das Jahr 2030 und schätzt die damit verbundenen globalen Kosten auf zirka 458 Milliarden Dollar jährlich. Zum Vergleich: 2010 beliefen sich die Kosten durch Krebs auf rund 290 Milliarden Dollar, etwas mehr als die Hälfte davon entfiel auf medizinische Leistungen. Die ökonomischen Auswirkungen dieser Krebs-„Epidemie“ gehen uns alle an. Denn zum einen fallen die entstehenden Kosten auf alle Versicherungsnehmer der Krankenkassen zurück. Zum anderen kann jeder selbst zur Kostensenkung beitragen, indem er sich mehr als bisher um Krebsvorsorge und Früherkennung kümmert. Hier bedarf es noch einiger Informationsarbeit und einer klugen Gesundheitspolitik. 

Vieles hat sich inzwischen in der Krebsmedizin getan: Die moderne Bildgebung erleichtert eine präzise und frühzeitige Diagnose, die experimentelle Krebsforschung brachte entscheidende Einsichten in die Entstehung von Tumorerkrankungen, und dank innovativer Therapien lassen sich viele Krebserkrankungen gezielter behandeln als noch vor einem Jahrzehnt. Darmkrebs-Patienten mit Metastasen leben heute zum Beispiel im Durchschnitt drei- bis viermal länger als früher.

Dabei erfuhr die Patientenversorgung eine tief greifende Umwälzung. Den universellen Onkologen gibt es nicht mehr. Nur wenn Experten aus allen Bereichen der Onkologie eng zusammenarbeiten, gelingt die optimale Versorgung der Patienten. Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) hat deshalb bereits vor Jahren eine Versorgungsstruktur konzipiert, die auf Zentrenbildung und interdisziplinäre Zusammenarbeit setzt. Kernstück sind Organkrebs- und Onkologische Zentren, die sich mit allen Phasen einer Krebserkrankung befassen. Sie wollen mit ihrer Arbeit einen festgelegten hohen Qualitätsanspruch auf der Basis evidenzbasierter Leitlinien erfüllen und akzeptieren daher eine regelmäßige Qualitätskontrolle. Mittlerweile werden zum Beispiel 90 Prozent der Brustkrebspatientinnen an solchen von der DKG zertifizierten Zentren behandelt. Die Ergebnisberichte zeigen eine hohe Prozessqualität an diesen Zentren und auch die Befragungen der dort behandelten Patientinnen fallen positiv aus.

Allen Fortschritten zum Trotz wird derzeit aber nur die Hälfte aller Krebspatienten geheilt. Die Vorbeugung der Krebsentstehung sowie die Früherkennung und Behandlung heilbarer Krebsvorstufen und -frühformen sind deshalb das Fundament einer zukunftsweisenden Krebsmedizin.

Das bringt uns zurück zum Ausgangspunkt. Angesichts begrenzter Ressourcen im Gesundheitswesen wäre es unredlich, die Umsetzung aller Maßnahmen zu fordern, die theoretisch machbar sind. Ich bin jedoch überzeugt, dass wir durch eine intelligente Ressourcenverteilung eine extrem hohe Versorgungsqualität in der Onkologie aufrecht erhalten können. Basis muss die evidenzbasierte Medizin und ihre konsequente praktische Umsetzung sein. In vielen Ländern ist dieses Ziel noch längst nicht erreicht. Beim Darmkrebs mit Lymphknotenbefall etwa schwanken die Fünfjahresüberlebensraten nach einer OP weltweit zwischen 45 Prozent und 90 Prozent. Allzu oft wird in diesem Zusammenhang eine palliative Therapie nötig – mit immensen Kosten. Bei anderen Tumorarten besteht dagegen nicht selten das Problem einer „Überversorgung“.

Es gilt, zunächst die Ursachen für solche unnötigen Kosten zu beseitigen, bevor wir uns dem vieldiskutierten Problem einer Priorisierung und Rationierung von Gesundheitsleistungen zuwenden.

Insgesamt brauchen wir also Daten, die uns helfen, unwirksame, nutzlose oder gar falsche Maßnahmen als solche zu erkennen. Handlungsbedarf besteht im bundesweiten Ausbau und der Harmonisierung der epidemiologischen und klinischen Krebsregister, sodass wir Therapieergebnisse auch langfristig nachverfolgen können. Gefragt sind außerdem unabhängige klinische Studien, etwa zur Bewertung neuer operativer Behandlungsmethoden oder zur Wirksamkeitsprüfung von Therapien unter Alltagsbedingungen. Daran müssen wir mit vereinten Kräften arbeiten.

Prof. Dr. Dr. h.c. Werner Hohenberger
Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft e.V.

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