Reflex-Verlag

Reflex-Verlag Ausgabe 2012/02

Green City

Eine Sonderveröffentlichung des Reflex Verlages zum Thema Green City

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Inhaltsindex
  • 4
    Leitartikel Urbanität

    Zwischen Chaos, Neurosen und Urbanität
    Städte ziehen Menschen an wie Motten das Licht. Wo Charme zuhause ist, wie Metropolen attraktiv bleiben und nicht krank machen.

  • 6
    Grüner Bauen

    Gebaute Nachhaltigkeit
    Das Gebot der Stunde lautet Energieeffizienz – doch was genau bedeutet es, ein Haus nachhaltig zu sanieren oder zu errichten?

  • 9
    Grüne Stromversorgung

    INTERVIEW
    „Ohne die Verbraucher funktioniert die Energiewende nicht“

  • 10
    CO2-frei durch die Stadt

    Mobilität der Zukunft: Individuell und grün
    Kein Modell der Green City ohne Konzepte für umweltfreundlichen Verkehr. Elektromobilität wird das Fortkommen in der Zukunft prägen.

  • 12
    Rohstoff Müll

    Ab in die Tonne
    Für ein rohstoffarmes Land ist Wiederverwertung Pflicht. Zur Steigerung der Quote gibt es hierzulande noch viel zu tun.

  • 13
    Wasser – Markt der Zukunft

    Neue Konzepte gegen die Versorgungskrise
    Viele Metropolen der Welt ringen um eine optimale Wasserversorgung. Innovativen Technologien winkt ein enormer Absatzmarkt.

Editorial

Die Stadt ist schön, die Stadt ist schlecht!

Millionen Menschen ziehen weltweit vom Land in die Stadt. Attraktive Jobs, intakte Infrastruktur mit öffentlichem Nahverkehr, Schulen, Universitäten und medizinische Versorgung, Kulturangebote, endlose Auswahl an Freizeitaktivitäten, Event- und Shopping-Möglichkeiten sind Argumente, die hierzulande in die Metropolen locken. Woanders geht es vielleicht um die nackte Existenz, die dem Boden nicht mehr abgetrotzt werden kann.

Wie viele der Träume von einem interessanteren, besseren Leben in Erfüllung gehen, ist nur begrenzt messbar. Fest steht: Die Landflucht dauert an. Bereits mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung wohnt in Ballungszentren. Bis 2050 werden es zwei Drittel sein. Während Europa und Nordamerika schon weitgehend verstädtert sind, wird die Urbanisierung in Südamerika oder Asien in den nächsten Jahren so rasch voranschreiten, dass etwa in China jedes Jahr mehrere Megastädte mit zehn Millionen Einwohnern heranwachsen.

Urbanisierung zählt zu den größten Veränderungen, die die Menschheit je durchlebt hat. Sie ist die Herausforderung unserer Zeit. Und die Banlieues, Slums, Villas Miseria und die Shantytowns der Welt gehören zur schmutzigen Seite der verdichteten Lebensräume. Sie werden nicht totgeschwiegen. In den Armenvierteln der Megacities türmt sich der Unrat meterhoch. Was tun? In Rio werden die Slums mit dem Dreck gleich weggemauert! Weltweit reüssiert die indische Schmonzette Slumdog Millionaire und wird außerhalb Indiens ein Welterfolg. Das Buch beruht auf wahren Begebenheiten und deckt die Konflikte moderner Gesellschaften brutal auf. Längst nicht alle Inder sind begeistert. Zuletzt geht es um arm und reich, privilegiert und weniger privilegiert, gebildet und ungebildet.

Kleine und große Katastrophen ergeben sich aus den Lebensgewohnheiten. Wohin beispielsweise mit dem Abfall von Millionen Haushalten? Wenn aus Innenstädten wie Neapel der Müll beseitigt wurde, ist das Problem in der Regel immer noch da. Müll der Innenstädte wird dann vermehrt in die Satellitenstädte abtransportiert, wo keine Touristen betroffen sind. Recycling?

Heute leben vier von fünf Europäern in Städten. Haben wir das noch im Griff? Szenen aus dem Pariser Vorort Villiele-Bel, brennende Autos, Randale. Stress auch an sozialen Brennpunkten in deutschen Großstädten wie Berlin und Hamburg, in denen Gewalt, Schulprobleme und hohe Soziallasten die brisanten Themen sind. Sie gehören in den Fokus. Eine Grüne Stadt soll eine friedliche und tolerante Zone sein. Nachhaltigkeit heißt mitunter Verantwortung und Solidarität. Zu den Ursachen resümierte Berthold Brecht: „Der reißende Strom wird gewalttätig genannt, aber das Flussbett, das ihn einengt, nennt keiner gewalttätig!“ 

Wer das Leben in der Stadt mit Glück und Lebensqualität verbindet, muss die Wurzeln für Verbesserungen suchen. Stichwort Lebensqualität: Städter leben statistisch gesehen länger, aber auch gesünder? Es verdichten sich die Hinweise, dass das Leben in Ballungszentren die Seele belastet. Wissenschaftler sind dabei, Gründe für das verstärkte Auftreten von Stress und seinen Folgen zu erforschen. Konsequenz: Lärm und Hektik in einer Grünen Stadt reduzieren! Bei solchen Forderungen wird das Dilemma klar: Stille und Unschuld der Natur in der Stadt – wie soll das gehen?

In Europa entstehen in den großen Ballungszentren 80 Prozent der Treibhausgas-Emissionen auf unserem Kontinent. Wollen wir den nachfolgenden Generationen eine Wüste hinterlassen? Wo können wir die knappen Ressourcen sinnvoll einsetzen und in einen Wertstoffkreislauf einbringen? Die Städte der Zukunft entwerfen wir heute schon auf dem Reißbrett, aber passen sie ökologisch und ökonomisch in die Zeit? 

Wir flanieren über den Ku’Damm, genießen die Aussicht am Jungfernstieg und shoppen in der Theatiner Straße und am Wall. Sitzen in Cafes, schlürfen unseren Latte Macchiato, treffen Freunde in den Biergärten und Kneipen, lauschen den Philharmonikern, sausen lautlos mit E-Mobilen und Bikes durch die Mitte – das Leben ist schön. In der Stadt!

Karl-Heinz Möller 
Chefredakteur

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