Reflex-Verlag

Reflex-Verlag Ausgabe 2011/10

Stress

Eine Sonderveröffentlichung des Reflex Verlages zum Thema Stress

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Inhaltsindex
  • 4
    Jobstress schadet Menschen und Unternehmen

    Mangelnde Anerkennung, schlechtes Betriebsklima und Angst um den Arbeitsplatz bremsen Leistungsfähigkeit und belasten das Wohlbefinden bei der Arbeit.

  • 5
    Alarmsignale erkennen

    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht im Stress „eine der größten Gefahren des 21. Jahrhunderts“.

  • 6
    Kollaps der Psyche

    Bei einem Burnout hilft meist nur eine längere Auszeit. Präventionsangebote von Arbeitgeber sind allerdings noch rar.

  • 7
    Die verbotene Volkskrankheit

    Jeder zwanzigste Deutsche leidet an einer Depression.
    In den meisten Unternehmen ist die Krankheit aber immer noch ein Tabuthema.

  • 8
    Arbeitsdruck schlägt auf die Psyche

    Gesundheitsförderung beginnt bei den Vorgesetzten: Führung, Organisation und Image eines Unternehmens beeinflussen die Mitarbeitergesundheit.

  • 9
    Streiten will gelernt sein

    „Konflikte lösen mit lernenden Strukturen"

  • 10
    Wettbewerbsvorteil: gesunde Mitarbeiter

    Betriebliches Gesundheitsmanagement fördert Motivation und Wohlbefi nden von Arbeitnehmern und senkt den Krankenstand in Unternehmen.

  • 11
    Ausgeglichen leben - gesünder arbeiten

    Die Balance zwischen Beruf und Privatleben gewinnt an Bedeutung.
    Von dem Gleichgewicht profitieren Arbeitnehmer wie Arbeitgeber.

  • 12
    Fastfood macht schwermütig

    Tiefkühlpizza, Pommes und Burger –
    eine falsche Ernährung kann stressbedingte Erkrankungen begünstigen.

  • 13
    Dem Stress davonlaufen

    Ausdauersport setzt Glückshormone frei und baut Stress ab.
    Auch Entspannungstechniken helfen, sich in Gelassenheit zu üben.

  • 14
    Bei Überlastung droht Berufsunfähigkeit

    Psychische Erkrankungen, hervorgerufen durch Stress, sind die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit – und leider schwer nachzuweisen.

  • 15
    Rückkehr in die Arbeitswelt

    Nach langer Erkrankung ist die stufenweise Wiedereingliederung von Arbeitnehmern in den Beruf geeignet. Bewährt hat sich das Hamburger Modell.

Editorial

Plädoyer für ein neues Mantra – Wenn Hektik und Stress dominieren, bedarf es einer ehrlichen Auseinandersetzung mit dem privaten

Wer kennt nicht die dunklen Tage, an denen man sich am liebsten unter der Bettdecke verkriechen und keinen sehen möchte. Winterdepression! Antriebslos, mutlos und schlecht gelaunt sehnt man Sonne, Wärme und Frühling herbei. Studien belegen, dass fast jeder Dritte in Deutschland von diesem Phänomen betroffen ist. Experten vergleichen den Zustand mit dem Winterschlaf von Tieren.

Als „saisonal abhängige Depression", die nicht mit Medikamenten behandelt werden muss, ist sie in der Regel kein Alarmsignal für eine ernsthafte psychische Erkrankung. Nach einem Tag im seelischen Nirwana verschwindet das Tief von selbst. Schon ein kurzer Spaziergang in guter Gesellschaft kann dazu beitragen, die Winterdepression zu verscheuchen.

Tiefer gehend sind die stressbedingten dauerhaften Stimmungstiefs. Wesentliche Ursache dafür ist der permanente Zeitdruck. Nach Ansicht vieler Betroffener gibt es immer nur zwei Gelegenheiten: die richtige und die verpasste. Um zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Platz zu sein, hetzt daher der Mensch von Ort zu Ort, von Termin zu Termin. In der Produktion wird das pünktliche Zusammentreffen aller Komponenten „just in time" genannt: Jedes Teil ist in der Sekunde vorrätig, in der es gebraucht wird. Dahinter steckt eine ausgeklügelte Logistik, die beispielsweise in der Automobilherstellung den Start einer Transportmaschine in Peking, das Anlaufen eines Fließbandes in Bratislava oder die Bewegungen des Schweißroboters in Wolfsburg auslösen kann. Alle Maschinen sind auf die Sekunde genau getaktet, damit am Ende Menschen die einzelnen Elemente zu einem Auto zusammenfügen. Verdichtungen am Endpunkt angekommen.

Der Preis ist hoch.
Produktivitätsfortschritt lautet eine der Umschreibungen dafür, dass die Frequenzen immer kürzer werden.
Die direkte Belastung am Arbeitsplatz wächst permanent. Solche Verdichtungen im Job sind nach Meinung von Ökonomen längst nicht an ihren Endpunkt angekommen. Auf der Strecke bleibt der gestresste Mitarbeiter – ob im Büro oder an der Werkbank. Mr. Burnout lässt grüßen.

Schon einmal im Takt, wird das Privatleben minutiös durchorganisiert. Falls es noch existiert. Blackberry, I-Phone und Laptop sorgen für Informationsterror rund um die Uhr. Immer online sein, lautet das Mantra. Wer selbst an Sonn- und Feiertagen oder im Urlaub nicht loslassen kann, macht sich den Stress selbst.
Wer ständig in der digitalen Scheinwelt lebt, landet irgendwann im Off - oder auf der Couch des Psychiaters.

Unterdessen gerät auch das Führungsverhalten der Chefs verstärkt in den Fokus. Wundern tut das nicht, denn sie stehen ebenso unter Erfolgsdruck. Getrieben von Vorständen, Analysten, Kapitalgebern, Aktionären und der Konkurrenz. Vielleicht sind sie der Aufgabe nicht gewachsen. Bosse geben den Druck gerne weiter und machen andere krank, wie diverse Untersuchungen belegen. Ein Drittel aller Arbeitnehmer in Deutschland gingen krank arbeiten, weil sie Angst haben. Um ihren Arbeitsplatz und dass zu viel liegenbliebe, war jüngst in einem Fehlzeitenreport zu lesen. Mediziner nennen dieses Verhalten Präsentismus: Wer immer kommt und lange bleibt, fliegt nicht raus. Fehlzeiten könnten geringer ausfallen, wenn mehr auf die psychische Gesundheit geachtet würde.

Dagegen wird weiter an der Kostenschraube gedreht.
Ein gutes Beispiel ist die allerorts eingeführte Architektur der Großraumbüros. Sie wird als besonders fortschrittlich und cool verkauft. Und spart dem Unternehmen eine Menge Kosten pro Quadratmeter. Der Mensch brauche den Austausch bei der Arbeit, heißt es. Mitarbeiter sehen das häufig anders und nicht selten stehen am Ende aus vielleicht gut gemeinten Konzepten Büros wie Kaninchenställe. Kommunikation kann auch Stress bedeuten. Von Gehirnforschern wissen wir, dass das Gehirn wie ein Spiegel funktioniert. Es muss ruhen, um seinen Dienst zu tun. Prävention ist das Ziel Wenn Lesen bildet und neue Perspektiven eröffnet, dann ist diese Publikation ein Fundus für Gestresste. Sie geht die aktuelle Probleme an und versucht, Lösungen zu bieten. Journalisten und Fachleute aus Medizin, Psychologie, Biologie, Ökologie und Ökonomie legen die Hintergründe frei und beraten.

Prävention und der sinnvolle Umgang mit Stress und dessen Folgen ist das anvisierte Ziel der redaktionellen Beiträge. Mit dem Aufraffen zum Lesen ist schon ein riesiger Schritt gelungen. Zurücklehnen, überlegen, losassen. Sich der „Entdeckung der Langsamkeit“ hingeben. Im gleichnamigen Bestseller von Sten Nadolny wird aus der vermeintlichen Schwäche eines Außenseiters Gründlichkeit und Gelassenheit zur Stärke. Der Hauptakteur entzieht sich der Beschleunigung des Zeitalters und setzt ihr seine Haltung und Anschauung entgegen, nach der jedes Individuum seinen Fähigkeiten entsprechend einen sinnvollen Beitrag zur Gesellschaft leisten kann. Seine Langsamkeit erscheint als Voraussetzung für eine humane Gesellschaft, getragen vom Respekt der Menschen untereinander und einem verantwortungsvollen Umgang. Eine erste Empfehlung für vom Tempo Getriebene! Lesen Sie ruhig weiter!

Karl-Heinz Möller
Chefredakteur

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