Reflex-Verlag

Reflex-Verlag Ausgabe 2011/06

Innovationsland Deutschland

Eine Sonderveröffentlichung des Reflex Verlages

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Inhaltsindex
  • 4
    Vom Schreibtisch an die Werkbank

    Deutschlands ruf als Innovationsland gründet in der engen Verbindung aus Forschung und praxis. Diese Tugenden können uns auch die Zukunft sichern.

  • 6
    Vernetzt bis ins kleinste Detail

    Die IT-Branche nutzt die Digitalisierung in allen Facetten. Vollautomatisierung setzt künftig neue innovative Impulse.

  • 7
    Firmenwelt in der Cloud

    es gibt Wolken, über die beklagt sich niemand. einige gelten als die größten Innovationstreiber in der IT des 21. Jahrhunderts.

  • 8
    Die Zukunft findet statt

    Vernetzung, Mobilität, Wachstumsfähigkeit: Langsam werden Hardware-Konzepte normalität, die vor Kurzem noch nach Science-Fiction klangen.

  • 8
    Einer für alle, alle für einen

    Unified Communications steht für die Vernetzung aller Kommunikationskanäle. prozesse werden vereinfacht, verschlankt und so effizienter.

  • 8
    Mit System der Datenflut Herr werden

    Intelligent Dokumente abspeichern und flexibel drucken – zahlreiche Unternehmen nutzen fortschreitende Digitalisierung.

  • 10
    Das Wissen der alten Hasen

    Allgemein gelten ältere Arbeitnehmer als „Innovationshemmer“. Dabei können sie mit erfahrung und Know-how zum erfolg beitragen.

  • 11
    Innovationen für die Gesundheit

    neue erfindungen in der Medizintechnik unterliegen dem demografischen Wandel ebenso wie der technischen entwicklung.

  • 12
    Angst vor Innovationen bremst den Erfolg

    ein intelligentes Qualitätsmanagement erfordert die offenheit für neuerungen in Technologie und prozess-organisation.

  • 13
    Von smarten Apps und Standleitungen zum Arzt

    elektronische Gesundheitsversorgung: portale, patienteninformationssysteme und digitale Applikationen erleichtern die Behandlung.

  • 14
    Deutschland, Energieland

    Die deutsche energieindustrie ist Weltspitze. Der nachhaltige Umbau der energieversorgung wird der entwicklung weiteren Schub verleihen.

Editorial

Innovationsprogramm für Wirtschaft und Gesellschaft

Deutschland boomt. Die Wirtschaft wächst, der Export brummt, die Erwerbstätigkeit steigt. Kaum ein anderes Land ist so gut aus der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise gekommen wie Deutschland. Seine wirtschaftliche Stärke zieht unser Land vor allem aus der Innovationskraft seiner Menschen. Ingenieure, Informatiker, Naturwissenschaftler und viele andere entwickeln jeden Tag Lösungen, die in aller Welt gefragt sind. Damit das auch in Zukunft so bleibt, reichen technische Erfindungen allerdings nicht aus. Deutschland braucht ein Innovationsprogramm für Wirtschaft und Gesellschaft, das alte Strukturen aufbricht und seit Jahrzehnten herrschende Denkmuster überwindet.

Eine der größten Herausforderungen für den Hightech-Standort Deutschland ist der demografische Wandel und der damit einhergehende Mangel an qualifiziertem Personal. Sofern Geburtenrate und Zuwanderung etwa auf dem gegenwärtigen Niveau bleiben, wird die Zahl der Erwerbstätigen bis zum Jahr 2030 um etwa 15 Prozent sinken. Schon heute fehlen Unternehmen, wissenschaftlichen Einrichtungen und öffentlichen Verwaltungen Zehntausende Experten, insbesondere in technischen Berufsfeldern. Um daran etwas zu ändern, müssen wir mehr in Bildung investieren, Arbeit familienfreundlicher gestalten und attraktiver für Fachkräfte aus aller Welt werden.

Neue Bildungskonzepte sollten das Ziel verfolgen, mehr junge Menschen für technische Berufe zu begeistern und die Schüler besser auf die Anforderungen der Informationsgesellschaft vorzubereiten. Innovative Bildung heißt heute, die einzelnen Schüler individueller zu fördern: die Schwachen intensiv zu betreuen und den Starken Freiraum zur Entfaltung zu geben. Ein Schlüssel dafür ist der Einsatz moderner Technologien.

Mit E-Learning-Lösungen bestimmen die Schüler ihr Lerntempo selbst, bekommen automatisch Feedback und können zu Hause oder unterwegs lernen. Voraussetzung dafür ist eine bessere technische Ausstattung der Schulen: die Versorgung aller Klassenräume mit digitalen Tafeln, den sogenannten Whiteboards, und schnellen Internetzugängen sowie mehr digitale Lehrmaterialien. Die Lehrer haben die Vorteile der digitalen Medien laut einer BITKOM-Umfrage erkannt, fordern aber mehr Schulungen für den Medieneinsatz.

Vor ähnlichen Herausforderungen stehen die Hochschulen und Universitäten, die über Jahrzehnte unter chronischer Überfüllung gelitten haben. Die Folge: Eine meist auf Auslese abzielende Lehre, die hohe Abbrecherquoten oft als ein Zeichen von Qualität sieht. Stattdessen sollten die Studierenden auch an den großen Universitäten besser betreut werden. Finanzierbar ist das nur, wenn der Bund wieder mehr Einfluss in der Bildungspolitik bekommt. Die Aufgabe innovativer Hochschulen endet heute nicht, sobald Studierende ihren Abschluss gemacht haben. Zum einen sind sie Keimzelle für Gründer aus dem studentischen und wissenschaftlichen Umfeld. Start-up Center an Hochschulen und Universitäten wären hervorragend geeignet, Forschungserfolge zu unternehmerischen Ideen weiterzuentwickeln. Zum anderen entwickeln sie sich zu Weiterbildungseinrichtungen, die den Beschäftigten ihr Arbeitsleben lang Fortbildungen auf hohem akademischem Niveau ermöglichen.

Einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung leistet die Wirtschaft selbst, indem sie Arbeit attraktiver für Familien gestaltet. Davon profitiert das einzelne Unternehmen und die gesamte Wirtschaft, weil die Mitarbeiter zufriedener sind und die Erwerbstätigkeit von Frauen steigt. Zu den Maßnahmen zählen flexible Arbeitszeiten, Tätigkeiten im Home Office oder Unterstützung bei der Kinderbetreuung. Nicht zuletzt sollten Unternehmen die Elternzeit von Vätern aktiv fördern. Diese Ansätze müssen stärker in die Fläche getragen werden.

Zum Innovationsland Deutschland gehört auch, offen für Fachkräfte aus dem Ausland zu sein. Noch immer ist die Ansicht weit verbreitet, Zuwanderer sind Konkurrenten für die hiesigen Arbeitskräfte. Das Gegenteil ist der Fall. Hochqualifizierte Experten aus dem Ausland schaffen mit ihren Ideen, ihren Kenntnissen und ihrem Unternehmertum zusätzliche Jobs in Deutschland. Für eine verstärkte Zuwanderung müssen nicht nur die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen werden, sondern auch das gesellschaftliche Klima muss sich wandeln. Wenn wir das gemeinsame Ziel erreichen wollen, den Hightech-Standort zu erhalten und zu stärken, müssen alle etwas beitragen – und sei es nur, die eigenen Einstellungen kritisch zu hinterfragen.

Prof. Dieter Kempf
BITKOM-Präsidium

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